Die Teilnahme an der AMA Supercross Meisterschaft an der US-Westküste stellt für Paul Bloy und Nico Koch derzeit eine massive sportliche Herausforderung dar. Die beiden deutschen Piloten starten in dieser Saison für das CDF Racing Team von James Cole und stellen sich dort der wohl härtesten Konkurrenz der Welt. Die Stopps in San Diego, Anaheim, Houston und Glendale verdeutlichten eindrucksvoll, dass der Weg in die Finalläufe der 250SX-Klasse nicht nur über den reinen Speed, sondern vor allem über mentale Standfestigkeit und technische Präzision führt.

San Diego: Ein harter Abend für das Team

Der zweite Saisonlauf in San Diego war für das Team von James Cole von massiven Rückschlägen geprägt. Nico Koch erlebte einen Tag voller Hindernisse; nach einem Sturz im Training und einer Kollision im Heat-Race verpasste er das Finale im LCQ auf Rang 11. Paul Bloy zeigte zunächst starken Speed (P2 in seiner Quali-Gruppe), stürzte jedoch im LCQ auf aussichtsreicher Position schwer und wurde am Boden von nachfolgenden Fahrern getroffen.

    Nico Koch: „Ein Wochenende zum Vergessen. Ich hatte heute ziemlich viel Pech. Ein Sturz im Training und dann ein technisches Problem im Heat-Race, nachdem mich ein anderer Fahrer getroffen hat.“

    Paul Bloy: „Harter Crash im LCQ. Ich bin in einer Rhythmus-Sektion zu kurz gekommen und wurde dann noch am Boden getroffen. Mein Arm ist ziemlich lädiert, aber ich bin froh, dass nichts gebrochen ist.“

Anaheim 2: Nico Koch kratzt am Main Event

In Anaheim zeigten beide Fahrer eine Reaktion auf die vorangegangenen Rückschläge. Nico Koch bewies eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit und unterstrich mit Rang 15 im Zeittraining sein Potenzial. Erst ein kleiner Fahrfehler an einem „Tuff Block“ im LCQ bremste ihn auf Platz 7 aus. Paul Bloy trat unter erschwerten Bedingungen an; er kämpfte sich tapfer durch den Abend und belegte Rang 15 im LCQ.

    Nico Koch: „Ein Schritt in die richtige Richtung! P15 im Qualifying war stark. Im LCQ habe ich alles gegeben, bin dann aber leider gegen einen Tuff Block gesprungen. Am Ende P7 – es fehlt nicht mehr viel zum Main Event.“

    Paul Bloy: „Enttäuscht über mein Rennen heute. Ich habe mich auf der Strecke einfach nicht wohlgefühlt. Der Sturz aus der Vorwoche steckt wohl noch etwas in den Knochen und im Kopf. Wir arbeiten weiter.“

Houston: Triple-Crown-Drama und Aufbruchstimmung

Beim vierten Lauf in Houston verfehlte Nico Koch den direkten Finaleinzug nur um Haaresbreite: Platz 19 im Qualifying bedeutete, dass ihm lediglich 0,2 Sekunden auf die Top-18 fehlten. Im LCQ kam es dann zur Kollision: Koch sprang an einem Hügel zu weit und traf das Hinterrad seines Teamkollegen Paul Bloy. Während Koch zu Boden ging und der Abend für ihn beendet war, konnte Bloy einen Sturz verhindern und das Rennen fortsetzen.

Paul Bloy hatte zuvor ein schwieriges Qualifying erlebt, fand aber im LCQ pünktlich zum Start seinen Rhythmus. Er schoss aus dem Gatter und lag zunächst auf einem starken 5. Platz, womit die Finalqualifikation greifbar nah war. Nach einigen Fehlern im weiteren Rennverlauf beendete er den Lauf schließlich auf dem 8. Rang.

    Nico Koch: „Es haben nur 0,2 Sekunden für die direkte Qualifikation gefehlt. Das war eine sehr bittere Pille. Im LCQ bin ich ausgerechnet Paul ins Hinterrad gefahren und über sein Motorrad gestürzt. Somit war der Abend für mich vorzeitig beendet. Aber es geht weiter. Dieses Wochenende steht hier unsere Heimrunde in Glendale an.“

    Paul Bloy: „Das Qualifying lief nicht gut, aber im LCQ hatte ich einen super Start und lag auf P5. Nach einigen Fehlern wurde es am Ende nur Platz 8.“

Glendale: Heimspiel, Press Day und ein Abend voller Herausforderungen

Die Woche vor dem Rennen in Glendale stand im Zeichen des Teamgeists. Da Glendale als Heimrennen für das CDF Racing Team galt, veranstaltete die Mannschaft ein großes Meet & Greet, bei dem Nico Koch und Paul Bloy zahlreiche Fans und Freunde begrüßten. Ein besonderes Privileg wartete bereits am Freitag: Nico und Paul durften beim offiziellen Press Day teilnehmen und die Strecke vorab unter die Räder nehmen. Zudem erhielt Nico Koch Unterstützung aus der Heimat: Thomas Becker, Teamchef des Becker Racing Teams, war eigens nach Arizona gereist, um Nico vor Ort technisch und mental zur Seite zu stehen.

Der Rennabend selbst war an Dramatik kaum zu überbieten. In den hart umkämpften Heat-Races belegte Paul Bloy Rang 17, während Nico Koch mit einem starken 10. Platz nur hauchdünn an der direkten Qualifikation vorbeischrammte. Damit mussten beide Piloten den Weg über das Last ChanceQualifier (LCQ) antreten.

Dort kam es für Nico Koch zum Super-GAU: Beim Spannen der Starthilfe platzte bei Nico die Bremsleitung. Ohne funktionierende Vorderbremse war ein Start unmöglich – das LCQ war für ihn beendet, noch bevor das Gatter fiel. Für Paul Bloy endete der Abend noch folgenschwerer: Er ging im LCQ schwer zu Boden und musste aufgrund der Schwere des Sturzes zur weiteren Untersuchung in ein lokales Krankenhaus gebracht werden. Obwohl der Abend sportlich extrem schwierig verlief, nehmen beide Fahrer wichtige Erkenntnisse über die Belastungsgrenzen von Mensch und Material mit.

Abschluss: Finale in Seattle und Rückkehr nach Deutschland

Als letzter Stopp der US-Tour für die beiden Deutschen steht nun die Runde in Seattle auf dem Programm. Es markiert den Endpunkt ihrer Reise und die abschließende Chance, sich noch für ein Main Event zu qualifizieren.

Nach dem Rennen in Seattle heißt es für Koch und Bloy: Koffer packen und zurück nach Deutschland. Dort beginnt unmittelbar die Vorbereitung auf die klassische Motocross-Saison, in der sie die im US-Supercross gewonnenen Erfahrungen – insbesondere die hohe Intensität und die technische Präzision – auf die heimischen Strecken übertragen wollen.

Bild: Patrik Bender