Mit dem offiziellen Start der technischen Abnahme am 24. Januar 2026 in Tanger beginnt für das Ténéré Yamaha Rally Team eines der anspruchsvollsten Abenteuer im modernen Motorsport. Das diesjährige Aufgebot kombiniert die enorme Routine des Italieners Alessandro Botturi mit dem Rallye-Debüt der französischen Motocross-Legende Gautier Paulin.
Das Team und die Fahrer
Gautier Paulin, ein mehrfacher BMX-Weltmeister und fünffacher Sieger des Motocross of Nations, wechselt nach einer glanzvollen Karriere in der MXGP nun permanent in den Rallye-Raid-Bereich. Obwohl er 2024 das Africa Eco Race bereits in der Autokategorie gewinnen konnte, stellt der Start auf dem Motorrad (einer speziell entwickelten Ténéré 700 Rally) eine neue Herausforderung dar. An seiner Seite steht Alessandro Botturi, der das AER bereits 2019 und 2020 gewann. Für Botturi geht es 2026 vor allem um Wiedergutmachung, nachdem er im Vorjahr den Sieg nur um 26 Sekunden verpasste, weil sich kurz vor dem Ziel ein Fischernetz in seinem Hinterrad verfangen hatte.
Unterstützt wird das Profi-Duo durch 12 Teilnehmer der Ténéré Spirit Experience (TSE), darunter der Deutsche Kevin Gallas, sowie durch prominente Schützenhilfe: Die Rallye-Legende Stéphane Peterhansel („Mr. Dakar“) wird das Team auf einzelnen Etappen begleiten.
„Ich freue mich so sehr auf dieses neue Kapitel in meiner Karriere. Vor fünf Jahren habe ich mit dem professionellen Motocross-Sport aufgehört, aber meine Leidenschaft für den Rennsport ist nie verschwunden, und ich bin ein Fan von Rallye-Raid, seit ich als Kind mit meinem Vater die Dakar geschaut habe. Als ich daher durch das Ténéré Yamaha Rally Team die Gelegenheit bekam, bei der Entwicklung des neuen Rennmotorrads zu helfen, sagte ich sofort: ‚Ja!‘ Dann luden sie mich ein, Anfang des Jahres an der Carta Rallye teilzunehmen, und ich war sofort begeistert. Rallye-Raid ist völlig anders als ein MXGP-Rennen; anstatt 45 Minuten lang Vollgas zu geben, muss man über mehr als 6.000 km beim AER sein Tempo, seine Ausdauer und vieles mehr managen. Ich mache mir keine Illusionen darüber, wie schwierig das sein wird, und obwohl ich weiß, dass mein fahrerisches Niveau hoch ist, müssen meine Navigationsfähigkeiten noch verbessert werden. Man sagt, man muss 15.000 km Roadbook-Training absolvieren, bevor man bereit für eine Rallye-Raid ist. Ich habe erst 1.000 bis 2.000 km hinter mir, aber das Team und mein Teamkollege Alessandro waren fantastisch darin, mich auf den neuesten Stand zu bringen. Ich kann ihnen nicht genug danken, besonders Alessandro, für all ihre Hilfe. Dies wird eine sehr steile Lernkurve für mich sein, und ich bin da, um Alessandro in jeder erdenklichen Weise zu unterstützen. Ich kann es kaum erwarten, loszulegen!“ — Gautier Paulin, Ténéré Yamaha Rally Team
“Having someone like Gautier join the team is incredible. His riding level is off the charts, but it is not easy to transition from motocross to rally raid, where pace is just one of the key factors. He has been incredible in testing, and it has been a pleasure working with him on his roadbook and navigation training. He has been fully committed to every step of the process, and I believe his potential to become a leading rally raid rider is there for all to see. Personally, I feel fitter and stronger than ever, and I am more prepared than ever before. I aim to bounce back from last year’s disappointment, where I only lost in the final few kilometres and try to secure my third victory at the event, the first for the team, and the first for the Ténéré!” — Alessandro Botturi, Ténéré Yamaha Rally Team
Hintergründe zum Africa Eco Race
Das Africa Eco Race wurde 2009 ins Leben gerufen, nachdem die ursprüngliche Rallye Dakar aufgrund von Sicherheitsbedenken nach Südamerika (und später Saudi-Arabien) abgewandert war. Das AER verfolgt das Ziel, den „echten Geist“ der Ur-Dakar zu bewahren:
- Die Route: Das Rennen führt klassisch über rund 6.000 Kilometer von Marokko über Mauretanien bis zum legendären Ziel am Lac Rose in Dakar (Senegal).
- Navigation: Im Gegensatz zu technisch hochgerüsteten Rallyes liegt der Fokus hier stärker auf der traditionellen Navigation per Roadbook durch extrem karge Landschaften.
- Nachhaltigkeit und Soziales: Der Name „Eco“ steht für einen ökologischen und sozialen Anspruch. In Zusammenarbeit mit Organisationen wie Riders for Health werden lokale Projekte unterstützt, etwa die Installation von Solaranlagen in Schulen oder die medizinische Versorgung entlang der Strecke.
Deutschsprachige Teilnehmer und die Herausforderung „Motul Xtreme Rider“
Neben den internationalen Top-Stars ist der deutschsprachige Raum beim Africa Eco Race 2026 stark vertreten, wobei insbesondere die Kooperation mit Yamaha Früchte trägt. Ein Name, der dabei immer wieder fällt, ist der des Deutschen Kevin Gallas. Der ehemalige Hard-Enduro-Profi hat sich in den letzten Jahren zu einem der profiliertesten Fahrer auf schweren Zweizylinder-Maschinen entwickelt. Nach seinem beeindruckenden Gesamtsieg bei der Carta Rallye gilt er im Rahmen der Ténéré Spirit Experience als einer der Favoriten für die Wertung der großvolumigen Motorräder. Unterstützt wird das deutsche Kontingent durch Mike Wiedemann, der als erfahrener Rallye-Pilot nicht nur durch fahrerisches Können, sondern auch durch seine technische Expertise in der Entwicklung der Ténéré-Modelle eine Schlüsselrolle im Team einnimmt.
Eine besondere Erwähnung verdient die Teilnahme in der offiziell als „Motul Xtreme Rider“ bezeichneten Kategorie. In dieser Klasse treten die Fahrer ohne jegliche Unterstützung durch ein Mechaniker-Team an. Sie sind nach den kräftezehrenden Etappen in der Wüste selbst für die Wartung und Reparatur ihrer Maschinen verantwortlich. Ihnen steht lediglich eine standardisierte Materialkiste für Werkzeug und Ersatzteile zur Verfügung, die vom Veranstalter von Biwak zu Biwak transportiert wird.
In dieser härtesten aller Wertungen sowie in den regulären Einzylinder-Klassen finden sich weitere ambitionierte Fahrer aus der Region: Der Österreicher Luca Seppele aus Kärnten geht nach einem erfolgreichen Debüt im Vorjahr erneut an den Start, dieses Mal mit dem Ziel, seine Platzierung in der 450ccm-Klasse weiter zu verbessern. Zudem stellt sich der Luxemburger Frédéric Richter der extremen Herausforderung der „Motul Xtreme Rider“-Wertung und verkörpert damit die traditionellen Werte der Rallye – Selbstgenügsamkeit und puren Durchhaltungswillen.
Der Rennverlauf 2026
Nach dem Start in Marokko (fünf Etappen) und einem Ruhetag in Dakhla führt die Route für fünf Tage in die tückischen Dünenlandschaften Mauretaniens. Den Abschluss bilden zwei Tage im Senegal, bevor die Fahrer am 7. Februar 2026 das Ziel erreichen.
Bild: Yamaha Racing