Die Westfalenhalle bebt: Dramatik pur und Heimsiege beim Auftakt des 41. ADAC Supercross Dortmund

Ein spektakulärer Freitagabend in der legendären Westfalenhalle markierte den Startschuss für das 41. ADAC Supercross Dortmund. Die Fans erlebten ein Wechselbad der Gefühle: Während in der Königsklasse SX1 ein Sturz-Drama in der vorletzten Runde für eine späte Entscheidung sorgte, schrieben internationale Fahrer Geschichte und Lokalmatadoren ließen die Stimmung in der Halle überkochen. Von den kleinen Nachwuchstalenten bis hin zur Elite wurde am ersten Abend bereits deutlich, dass der Kampf um die Titel in diesem Jahr so eng wie nie zuvor ist.

Desprey gewinnt, Aranda mit Schadensbegrenzung
Das Finale der Klasse SX1 beim 41. ADAC Supercross Dortmund 2026 am Freitagabend war an Dramatik kaum zu überbieten. Den Start entschied Luke Clout (Kawasaki Motul Pfeil) mit einem perfekten Holeshot für sich, dicht gefolgt von Maxime Desprey (Sturm Racing Team), während sich Gregory Aranda (Sturm Racing Team) auf Rang drei und Cedric Soubeyras (Luke’s Racing) als Vierter dahinter einreihten. Für Aranda war bereits der Weg ins Finale ein Kraftakt: Nachdem er im ersten Qualifikationsrennen gestürzt war, musste er den Umweg über den Hoffnungslauf nehmen, um sich überhaupt qualifizieren zu können. Im Hauptrennen blies er jedoch sofort zur Attacke, übernahm in Runde acht die Führung und baute diese souverän auf fast sieben Sekunden aus. Doch dann folgte der nächste Rückschlag: In der vorletzten Runde stürzte Aranda im anspruchsvollen Waschbrett erneut. Desprey erbte die Führung und sicherte sich nach 18 Runden den Sieg. In der allerletzten Runde gelang es zudem Jordi Tixier (KMP-Honda-Racing powered by DVAG), den anfänglichen Führenden Luke Clout noch abzufangen und sich Platz drei hinter Aranda zu sichern.

Die Fahrer zeigten sich nach dem Rennen gezeichnet von der anspruchsvollen Strecke. Sieger Maxime Desprey: „Das war ein sehr guter erster Abend für mich. Mein Start war solide, aber Greg war heute eindeutig der schnellere Mann auf der Strecke. In Dortmund geht es vor allem darum, möglichst fehlerfrei zu bleiben, und das ist mir heute gelungen.“ Der Zweitplatzierte Gregory Aranda blickte trotz des Sturzes kämpferisch nach vorne: „Heute bin ich leider zweimal zu oft gestürzt. Die Strecke ist wirklich extrem anspruchsvoll. Ich lag deutlich in Führung und habe keine Ahnung, wieso mir dieses Missgeschick in den Whoops passiert ist. Aber das Wochenende in Dortmund dauert drei Tage – ich habe noch zwei weitere Chancen auf den Sieg.“ Auch der Drittplatzierte Jordi Tixier fand klare Worte: „Das war heute ein hartes Stück Arbeit nach einem verpassten Start. Die Strecke war heute tückisch und hat uns alles abverlangt.“

In der Gesamtwertung des ADAC SX-Cups hat sich die Situation nach dem Freitagabend zugespitzt. Cedric Soubeyras, der als Tabellenführer nach Dortmund gereist war, belegte im Finale den fünften Platz und musste die Spitzenposition abgeben. Mit nun 62 Punkten führt Luke Clout die Meisterschaft an, dicht gefolgt von Soubeyras mit 61 Punkten. Bester deutscher Fahrer im Klassement bleibt Maximilian Spies (Becker Racing), der nach seinem siebten Platz im Finale nun mit 42 Punkten auf dem vierten Gesamtrang liegt. Paul Haberland (Team Motorrad Waldmann) rangiert als zweitbester Deutscher aktuell auf dem zehnten Platz der Meisterschaftswertung.

Fonvieille feiert Start-Ziel-Sieg
Der Franzose Calvin Fonvieille (KTM Sarholz Racing Team) feierte am Freitagabend einen überragenden Start-Ziel-Sieg. Nachdem er sich den Holeshot gesichert hatte, kontrollierte er das 15-Runden-Rennen souverän an der Spitze und holte damit seinen zweiten Tagessieg in Dortmund. „2019 stand ich hier zum ersten Mal auf dem Podium. Letztes Jahr habe ich Samstagabend gewonnen und dann die Meisterschaft – das ist auch in diesem Jahr das Ziel. Ich freue mich, meinem Team mit diesem Sieg etwas zurückgeben zu können“, erklärte ein glücklicher Fonvieille nach dem Rennen.

Hinter Fonvieille schrieb Hardy Muñoz (Luke’s Racing) Geschichte: Als erster Fahrer aus Chile schaffte er in der mehr als 40-jährigen Historie des ADAC Supercross Dortmund den Sprung aufs Podium. Nach der ersten Runde noch auf Rang sieben liegend, arbeitete er sich mit einer starken Aufholjagd bis auf Platz zwei vor. „Ein riesiges Dankeschön an das Team von Luke’s, das diesen Erfolg erst möglich gemacht hat“, gab Muñoz begeistert zu Protokoll. „Es ist das erste Mal, dass ich in Deutschland Rennen fahre, und das Event ist einfach großartig. Die Stimmung ist fantastisch. Ich genieße jede Sekunde und freue mich auf die kommenden zwei Tage.“

Das Podium komplettierte der Franzose Mickael Lamarque (VisuAlz Production), der nach einem schwierigen Start ebenfalls eine beeindruckende Aufholjagd zeigte. „Es war einfach verrückt – ich bin als Letzter gestartet und stehe jetzt hier auf dem Treppchen“, kommentierte Lamarque sein erstes Podium in Deutschland.

Während Lamarque jubelte, erlebte der letztjährige „Prinz von Dortmund“, Jules Pietre, einen bitteren Abend: Er stürzte bereits in der ersten Runde und wurde am Ende nur Elfter. Bester deutscher Pilot war Paul Bloy auf Triumph. Er lag zu Beginn des Rennens auf Rang drei und überquerte nach 15 Runden als Siebter die Ziellinie.

Lokalmatador Romberg siegt bei der Premiere der SX NEXT
In der neu geschaffenen Nachwuchsklasse SX NEXT feierte Lokalmatador Oskar Romberg (Meyer Yamaha Racing powered by DirtScrub) aus Werl einen beeindruckenden Premierensieg. Trotz eines schlechten Starts kämpfte sich Romberg entschlossen durch das Feld. Die Zuschauer in der ausverkauften Westfalenhalle feuerten ihn dabei lautstark an und peitschten ihn nach vorn. „Morgen muss ich etwas anderes probieren. Im Pulk habe ich an nichts gedacht und wollte einfach nur nach vorne. Danach hatte ich viel Spaß beim Überholen“, resümierte der Sieger sein Rennen. Romberg unterstrich seine enorme Pace und markierte mit 29,932 Sekunden die schnellste Rennrunde des gesamten Feldes. Nach acht Runden überquerte er mit einer Gesamtzeit von 4:10,812 Minuten als Erster die Ziellinie. Platz zwei sicherte sich Pius Bergmann (Team Motorrad Waldmann), der dem Sieger bis zum Schluss gefährlich nahe blieb. Mit einem Rückstand von lediglich 2,710 Sekunden holte er 22 Punkte für die Veranstaltungswertung. Bergmann zeigte sich nach dem Rennen als fairer Sportsmann: „Beim Start habe ich alles gegeben, weil ich wusste, dass er kommt. Oskar ist ein starker Fahrer. Ich habe alles gegeben, bin dann aber leider etwas eingebrochen.“ Hinter dem Führungsduo komplettierte Kimi Schmidt auf KTM das Podium als Dritter – mit 6,457 Sekunden Rückstand auf den Lokalmatador.

Haustein gewinnt in der SX4-Klasse
Sieger im ersten SX4-Rennen des Wochenendes ist Eddi Haustein. Der Champion der letztjährigen SX-Series fuhr am Freitagabend auf seiner Husqvarna einen souveränen Start-Ziel-Sieg ein. Zur Rennhälfte übernahm Haustein die Führung und setzte sich mit schnellen Rundenzeiten vom Rest des Feldes ab. Am Ende sicherte er sich mit einer Gesamtzeit von 4:04,665 Minuten den obersten Podestplatz und die vollen 25 Punkte. Das Podium komplettierten Matteo Bauten auf KTM, der mit einem Rückstand von 7,754 Sekunden Zweiter wurde, sowie Maximilian Tse An Auer (ebenfalls KTM) auf Rang drei. Haustein, der sichtlich Freude am technischen Kurs in der Westfalenhalle hatte, war überglücklich: „Supercross ist einfach toll. Die Sprünge und anspruchsvollen Kombinationen liegen mir und machen eine Menge Spaß.“

Der Deutsche Meister triumphiert bei den eKids
Beim eKids-Rennen lieferten sich die Nachwuchstalente ein packendes Finale. Am Ende jubelte Oskar Gajewski, amtierender Champion der Deutschen Motocross-Meisterschaft in der 50 ccm Klasse. Über nahezu die gesamte letzte Runde kämpfte er Seite an Seite mit dem bis dahin führenden Melvin Gohlke. Im Ziel betrug Gajewskis Vorsprung gerade einmal 0,569 Sekunden. Zudem fuhr er mit 46,152 Sekunden die schnellste Rennrunde. Nach dem Rennen zollte Gajewski seinem Konkurrenten großen Respekt: „Es war schwer, Melvin zu überholen. Er ist gut gefahren und kann stolz auf sich sein. Das Training war noch nicht so gut – da möchte ich morgen nachlegen.“ Wie eng es an der Spitze zuging, zeigte auch der Zieleinlauf: Die ersten vier Fahrer – Gajewski, Gohlke, Leonhard Storz und Hugo Coscarelli – überquerten innerhalb von gut zwei Sekunden die Ziellinie.

Nach dem packenden Auftakt am Freitag geht das Spektakel in der Westfalenhalle direkt weiter: Am Samstagabend verwandelt sich die Arena erneut in einen Hexenkessel, wobei die Veranstaltung bereits restlos ausverkauft ist. Fans, die kein Ticket mehr ergattern konnten, müssen jedoch nichts verpassen und können die gesamte Action live im Stream unter supercross-dortmund.de verfolgen. Wer das SX-Feeling hingegen doch noch hautnah vor Ort erleben möchte, hat am Sonntag beim großen MAOAM Familientag die letzte Gelegenheit dazu. Für diesen Finaltag sind aktuell noch Tickets online verfügbar.

Text/Bild: ADAC Westfalen e.V.