In der Welt des Motorsports gibt es kaum ein Ereignis mit größerer Strahlkraft als die International Six Days Enduro (ISDE). Im Oktober 2026 feiert diese „Olympiade des Endurosports“ in Grândola (Region Alentejo) ihr 100. Jubiläum. Die Region südlich von Lissabon ist für ihre anspruchsvollen Strecken bekannt, die von tiefem Sand bis hin zu harten Felssektionen alles bieten, was den Endurosport auszeichnet. Doch trotz der enormen emotionalen Tragweite dieses Jahrhundert-Jubiläums wird Deutschland im kommenden Jahr bei diesem prestigeträchtigen Event nicht vertreten sein.

Der Verein für Endurosport (Deutschland) musste nach intensiven internen Abstimmungen und einer umfassenden Bedarfsanalyse die Entscheidung treffen, weder Trophy-Nationalmannschaften noch Club-Teams nach Portugal zu entsenden.

Bereits frühzeitig hatte sich abgezeichnet, dass die Entsendung der deutschen Nationalmannschaften (World Trophy, Junior und Women) für 2026 nicht realisierbar sein würde. In der Folge konzentrierten sich die Bemühungen darauf, zumindest eine starke Präsenz im Bereich der Club-Teams zu ermöglichen. Doch auch hier blieb die Resonanz auf die offizielle Ausschreibung weit hinter den Erwartungen zurück: Insgesamt gingen lediglich 12 Rückmeldungen von interessierten Fahrerinnen und Fahrern ein.

Die geringe Teilnehmerzahl führt zu einer unüberwindbaren wirtschaftlichen Hürde. Die Teilnahme an der ISDE ist mit massiven Fixkosten verbunden, die bei einer kleinen Delegation nicht mehr skalierbar sind. Die Logistik über 2.500 Kilometer nach Portugal, der Container-Transport der Motorräder sowie der Aufbau einer professionellen Service-Infrastruktur vor Ort hätten die finanzielle Belastung für jeden einzelnen Teilnehmer und das gesamte Projekt ins Unverhältnismäßige steigen lassen. Um die Sportler vor diesen extremen finanziellen Risiken zu schützen, sah sich der Vorstand zu einem einstimmigen Absagebeschluss gezwungen.

„Ihr könnt glauben, dass es der gesamten Crew nicht leicht fällt, gerade die 100. Sixday’s auszulassen. Dennoch war es unter den gegebenen Umständen die einzig verantwortungsvolle Entscheidung.“ Wilfried Meine Vorsitzender, Verein für Endurosport (Deutschland)

So schmerzhaft der Verzicht auf das 100. Jubiläum in der Enduro-Welt auch ist, so klar ist der Blick nach vorn: Das Ziel ist nun die 101. ISDE in England im Jahr 2027. Durch die geografische Nähe und eine frühzeitige, strukturierte Planung strebt der Verein an, dort wieder mit einem vollständigen Aufgebot – sowohl in den Trophy-Klassen als auch mit einem starken Feld an Club-Teams – an den Start zu gehen und den deutschen Endurosport unter wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen international zu repräsentieren.

Von Steffen