Das Finale auf dem geschichtsträchtigen Kurs „Tazio Nuvolari“ in Mantova bot Motocross auf höchstem Niveau. Auf dem anspruchsvollen, tiefen Sandboden wurden die letzten Entscheidungen der Saison herbeigeführt, wobei sich sowohl etablierte MXGP-Stars als auch aufstrebende Talente in die Siegerlisten eintrugen.

125cc: Ernecker dominiert mit weißer Weste

In der 125cc-Klasse verwandelte der Österreicher Moritz Ernecker das Rennwochenende in eine persönliche Triumphfahrt. Auf dem schwierigen Terrain bewies der KTM-Factory-Rookie eine Klasse für sich. Im ersten Lauf ließ Ernecker vom Start weg keine Zweifel aufkommen: Während sich hinter ihm ein packender Dreikampf zwischen Andrea Uccellini, Sleny Goyer und Riccardo Pini entwickelte, zog der KTM-Pilot an der Spitze einsam seine Kreise. Uccellini hielt lange den zweiten Rang, musste sich aber dem enormen Druck der Verfolger erwehren, während Ernecker mit einem komfortablen Vorsprung den ersten Sieg des Tages einfuhr.

Der zweite Durchgang bot ein ähnliches Bild an der Spitze, doch dahinter wurde hart gefightet. Sleny Goyer erwischte einen starken Start und setzte sich auf den zweiten Rang fest. Emil Ziemer, der im ersten Lauf noch mit dem Rhythmus kämpfte, zeigte eine beeindruckende Reaktion. Er arbeitete sich kontinuierlich nach vorne und sicherte sich in einem spannenden Finish den dritten Platz, was ihm in der Endabrechnung den Vizetitel einbrachte. Mit der maximalen Ausbeute von 100 Punkten aus allen vier Wertungsläufen der Saison krönte sich Ernecker zum unangefochtenen Champion. Bester Italiener der Serie wurde Riccardo Pini auf der TM, der den dritten Gesamtrang vor Gennaro Utech behauptete.

MX2: Längenfelder mit Nervenstärke zum Titel

Das Finale der MX2-Klasse entwickelte sich zu einem strategischen und fahrerischen Krimi, in dem der Deutsche Simon Längenfelder seine ganze Erfahrung ausspielte. Im ersten Lauf sicherte sich zunächst der Lette Jekabs Kubulins den Holeshot und führte das Feld sechs Runden lang an. Längenfelder lauerte geduldig auf Position 5, beobachtete die Linien der Konkurrenz und blies in der siebten Runde zum Angriff. Innerhalb weniger Kurven übernahm er die Führung und fuhr einen kontrollierten Sieg nach Hause. Dahinter glänzte Scott Smulders vom Team Sixty Seven Racing: Trotz eines kleinen Fehlers zur Mitte des Rennens kämpfte er sich bärenstark auf den zweiten Platz zurück.

Der zweite Lauf war geprägt von der Aufholjagd des Tages. Während Valerio Lata auf der Honda an der Spitze enteilte und mit einer Fabelzeit von 2:01.062 Minuten die Konkurrenz schockte, fand sich Längenfelder nach dem Start nur auf Rang 6 wieder. In einer beeindruckenden Aufholjagd pflügte er durch das Feld, bis das Drama in Runde 13 seinen Höhepunkt erreichte: Längenfelder überholte Lata, übernahm die Führung und machte mit dem Doppelsieg den Titel perfekt. In der Endabrechnung krönte sich Längenfelder mit 92 Punkten souverän zum Champion. Ein riesiger Erfolg gelang auch dem Team Sixty Seven Racing: Durch enorme Beständigkeit sicherte sich Scott Smulders die Vizemeisterschaft, hauchdünn vor Cas Valk und dem Ducati-Piloten Ferruccio Zanchi.

MX1: Gajser unschlagbar

Die Königsklasse MX1 bot im Sand von Mantova das wohl größte Spektakel, geprägt von technischem Pech und heroischen Aufholjagden. Im ersten Lauf feierte Tim Gajser einen unangefochtenen Start-Ziel-Sieg und knackte als einziger Fahrer die Zwei-Minuten-Marke. Doch hinter ihm brach das Chaos aus: Andrea Adamo und Ruben Fernandez lagen rundenlang auf Podiumskurs, bis technische Defekte beide Honda-Piloten zur Aufgabe zwangen. Auch Jeffrey Herlings erlebte ein Desaster: Auf Rang 2 liegend streikte seine Maschine zeitweise, was ihn fast ans Ende des Feldes zurückwarf. Mit einer wütenden Aufholjagd rettete er noch Platz 11. Davon profitierte Tom Vialle, der sich Rang zwei sicherte, während Mattia Guadagnini nach einem schlechten Start bis auf das Podium stürmte.

Im zweiten Lauf unterstrich Gajser seine Vormachtstellung erneut. Zwar überraschte Jorgen-Matthias Talviku zunächst mit einem Blitzstart, doch Gajser korrigierte die Rangordnung bereits in der zweiten Runde. Diesmal blieb die Technik bei der Konkurrenz standhaft: Ruben Fernandez kam nach seinem Pech stark zurück, klebte Gajser rundenlang am Hinterrad und kam als Zweiter ins Ziel. Jeffrey Herlings betrieb mit Rang drei Schadensbegrenzung, nachdem er sich einen harten Schlagabtausch mit Alberto Forato geliefert hatte. Forato wiederum zeigte auf der Fantic ein taktisch kluges Rennen, fing in der Schlussphase Tom Vialle ab und sicherte sich Platz 4. Mit der maximalen Ausbeute in Mantova krönte sich Tim Gajser mit insgesamt 88 Zählern souverän zum MX1-Champion. Alberto Forato belohnte sich für seine Zähigkeit mit dem Vizetitel, gefolgt von Mattia Guadagnini auf dem dritten Gesamtrang.

Ergebnisse Internazionali d’Italia Mantova

Bild: Yamaha Racing