Während des Monster Energy MXGP von Großbritannien gehörte die dritte Runde der FIM Frauen-Motocross-Weltmeisterschaft 2026 in Foxhills ganz Kiara Fontanesi auf GASGAS. Sie sicherte sich jeweils den Holeshot und führte in beiden Rennen jede einzelne Runde an, um einen dominanten 1-1-Sieg einzufahren. Daniela Guillen vom RFME Spain National Team kämpfte sich nach einem verhaltenen ersten Rennen zurück und wurde im zweiten Lauf Zweite. Aufgrund ihres dritten Platzes im Auftaktrennen verließ sie Großbritannien jedoch mit zwei Punkten Rückstand auf Fontanesi an der Spitze der Gesamtwertung. Courtney Duncan vom Dixon Racing Team Kawasaki war das Vorbild an Konstanz: Sie belegte im ersten Rennen den zweiten und im zweiten Rennen den dritten Platz und komplettierte damit das Gesamtpodium. Für Fontanesi war es der 25. Gesamtsieg ihrer Karriere, ihr 55. Rennsieg und ihr 130. Podiumsplatz.
Fontanesi sicherte sich den Holeshot von der Pole Position aus und kontrollierte das Rennen von der Spitze. Daniela Guillen schob sich früh auf Platz zwei, während Lokalmatadorin Lucy Barker das Publikum in Foxhills mit einem starken Start auf Rang drei begeisterte, vor Courtney Duncan auf der Vier und der amtierenden Meisterin Lotte Van Drunen auf Platz fünf.
Barkers vielversprechender Start war jedoch nicht von Dauer. Bis zum Ende der zweiten Runde wurde sie von Duncan, Van Drunen und Shana Van Der Vlist geschluckt, die sich die Plätze drei, vier und fünf schnappten, während die Britin innerhalb einer einzigen Runde auf den siebten Rang durchgereicht wurde.
Weiter hinten arbeiteten sich Malou Jakobsen und Amandine Verstappen bis zur dritten Runde in die Top 7 vor, während die Schwedin Nellie Fransson auf JK Racing Yamaha, die am Start noch in die Top 6 geschossen war, den Anschluss an die Gruppe vor ihr verlor.
An der Spitze sah Guillen zunächst sicher auf Platz zwei aus, doch Duncan holte kontinuierlich auf, zog in Runde sechs endgültig vorbei und hielt die Position bis zur Zielflagge. Guillen, die in Deutschland noch unschlagbar war, konnte nicht kontern. Sie musste sich in einem deutlich engeren Podiumskampf als erwartet mit Platz drei zufriedengeben – vermutlich, weil sie sich gesundheitlich nicht ganz fit fühlte, wie sie bereits am Samstag im Interview vor dem Start angedeutet hatte.
Fontanesi wurde von Duncan jedoch bis zur Ziellinie gefordert und fuhr in der allerletzten Runde die schnellste Zeit des Rennens, um den Sieg mit knapp über einer Sekunde Vorsprung abzusichern. Van Drunen brachte den vierten Platz sicher nach Hause – sie war zwar immer in Schlagdistanz zum Podium, fand aber keinen Weg vorbei. Van der Vlist zeigte eine starke Leistung und arbeitete sich von Platz sieben am Start bis auf Rang fünf im Ziel vor, knapp vor Jakobsen und Verstappen auf den Plätzen sechs und sieben.
April Franzoni erholte sich von einem schwierigen Start und kämpfte sich auf Platz acht vor, während Barkers harter Nachmittag weiterging und sie bis zum Ziel auf Platz neun abrutschte. Alexandra Massury belegte konstant den zehnten Rang. Fransson komplettierte ihren Einbruch, nachdem ihr Start so vielversprechend war, und kam schließlich mit einer Runde Rückstand als Zwölfte ins Ziel.
Beim zweiten Start machte Fontanesi das Doppel perfekt und holte sich erneut den Holeshot, während sich Barker direkt wieder hinter ihr auf Platz zwei einsortierte. Duncan erwischte einen sauberen Start und lag auf Rang drei, während Guillen, die im ersten Lauf noch unter ihren Möglichkeiten geblieben war, sich durch die ersten Kurven pflügte und vor Van der Vlist auf Platz vier sprang. Van Drunen hingegen war nach einem schlechten Start irgendwo um Platz 20 herum eingeklemmt.
Guillen verlor keine Zeit. In der zweiten Runde schnappte sie sich Duncan innen am Fuß des Hügels und zog kurz darauf mühelos an Barker vorbei, die vor der Boxengasse die Tür einen Spalt zu weit offen ließ. Von Platz zwei aus blies Guillen zur Jagd auf Fontanesi und brannte mit einer 2:04.383 die schnellste Runde des Rennens in den Boden – der Vorsprung schrumpfte jedoch nie unter sechs oder sieben Sekunden.
Dahinter richtete sich Duncan auf dem dritten Platz ein und setzte sich im weiteren Rennverlauf schrittweise von Barker ab. Malou Jakobsen fuhr das gesamte Rennen über ein einsames, aber sicheres Rennen auf Platz sechs. An diese Position kam auch Van Drunen nicht mehr heran, obwohl sie nach ihrem verpatzten Start eine furiose Aufholjagd hinlegte und zur Rennhälfte bereits Siebte war.
An der Spitze fuhr Fontanesi unangefochten dem Ziel entgegen und überquerte die Linie gut neun Sekunden vor Guillen, um ihr perfektes Wochenende abzurunden. Duncan behauptete Platz drei, Barker wurde Vierte und Van der Vlist Fünfte. Van Drunens kämpferische Leistung wurde mit dem siebten Platz vor Amandine Verstappen und Danee Gelissen belohnt.
Dieses Ergebnis schickt Fontanesi zum ersten Mal in dieser Saison als Tabellenführerin in die Niederlande – mit zwei Punkten Vorsprung auf Guillen, während Duncan mit weiteren 39 Punkten Rückstand Dritte ist. Guillen wird bei der nächsten Runde antworten wollen. Barkers Leistung vor heimischem Publikum macht derweil Mut: Nach einem schwierigen neunten Platz im ersten Lauf kämpfte sie sich im zweiten Rennen auf Platz vier zurück – was ihr den sechsten Gesamtrang einbrachte und wohl ihr bestes Saisonergebnis vor den eigenen Fans war.
Kiara Fontanesi: „Das ist ein riesiger, riesiger Erfolg. Ich glaube, ich hätte mir nie erträumen lassen, als zweifache Mutter mit 32 Jahren die Weltmeisterschaft anzuführen, ich kann es selbst noch gar nicht richtig fassen. Im ersten Rennen ist der Kampf um die Meisterschaft so eng, dass ich nicht frei fahren konnte; ich hatte mehr Angst vor einem Sturz als davor, überholt zu werden – das war ein stressiges Rennen. Aber im zweiten Lauf hatte ich einen richtig guten Start, habe mich auf der Strecke fantastisch gefühlt und bin nicht einmal müde geworden. Genau das sind die Rennen, die ich liebe!“
Daniela Guillen: „Ich habe das Red Plate zwar verloren, aber ich bin immer noch voll im Titelkampf dabei. Heute hatte ich ein viel besseres Gefühl als gestern. Vor dem zweiten Lauf ging es mir nicht optimal, aber ich bin glücklich darüber, wie ich mich zurückgekämpft habe. Danke an das Team und an alle, die mir geholfen haben.“
Courtney Duncan: „Es ist gut, wirklich gut. Es ist schon komisch: Wenn man wieder auf diesem Niveau fährt, ist man fast schon enttäuscht, dass es nicht noch weiter nach vorne ging! Aber ich bin mega happy, wieder auf dem Podium zu stehen, das ist schon eine Weile her. Ich denke, wir können stolz auf die Fortschritte sein, die wir in den letzten sechs Wochen gemacht haben. Ich bin zwar noch nicht ganz da, wo ich sein muss, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Ein riesiges Dankeschön an alle, die mir geholfen haben, hierher zu kommen – an die Leute zu Hause, mein medizinisches Team, die Spezialisten und Chirurgen, die meine Gesundheit wieder hinbekommen haben, und an Monster Energy sowie Fox, die diese Saison möglich machen.“
WMX – Race 1 – Top 10 Classification: 1. Kiara Fontanesi (ITA, GASGAS), 26:08.278; 2. Courtney Duncan (NZL, Kawasaki), +0:01.113; 3. Daniela Guillen (ESP, GASGAS), +0:11.694; 4. Lotte Van Drunen (NED, Yamaha), +0:16.593; 5. Shana Van Der Vlist (NED, Yamaha), +1:04.890; 6. Malou Jakobsen (DEN, KTM), +1:08.856; 7. Amandine Verstappen (BEL, Yamaha), +1:23.486; 8. April Franzoni (FRA, Honda), +1:38.738; 9. Lucy Barker (GBR, KTM), +1:40.500; 10. Alexandra Massury (GER, KTM), +2:02.102. Fastest lap: Kiara Fontanesi – 2:10.314 (lap 11)
WMX – Race 2 – Top 10 Classification: 1. Kiara Fontanesi (ITA, GASGAS), 24:56.427; 2. Daniela Guillen (ESP, GASGAS), +0:09.105; 3. Courtney Duncan (NZL, Kawasaki), +0:18.618; 4. Lucy Barker (GBR, KTM), +0:38.860; 5. Shana Van Der Vlist (NED, Yamaha), +0:45.319; 6. Malou Jakobsen (DEN, KTM), +0:47.422; 7. Lotte Van Drunen (NED, Yamaha), +0:49.203; 8. Amandine Verstappen (BEL, Yamaha), +1:01.627; 9. Danee Gelissen (NED, Husqvarna), +1:02.370; 10. April Franzoni (FRA, Honda), +1:06.465. Fastest lap: Daniela Guillen – 2:04.383 (lap 3)
WMX Overall – Top 10 Classification: 1. Kiara Fontanesi (ITA, GAS), 50 points; 2. Daniela Guillen (ESP, GAS), 42 p.; 3. Courtney Duncan (NZL, KAW), 42 p.; 4. Shana Van Der Vlist (NED, YAM), 32 p.; 5. Lotte Van Drunen (NED, YAM), 32 p.; 6. Lucy Barker (GBR, KTM), 30 p.; 7. Malou Jakobsen (DEN, KTM), 30 p.; 8. Amandine Verstappen (BEL, YAM), 27 p.; 9. April Franzoni (FRA, HON), 24 p.; 10. Danee Gelissen (NED, HUS), 22 p.
WMX World Championship – Top 10 Classification: 1. Kiara Fontanesi (ITA, GAS), 141 points; 2. Daniela Guillen (ESP, GAS), 139 p.; 3. Courtney Duncan (NZL, KAW), 100 p.; 4. Shana Van Der Vlist (NED, YAM), 89 p.; 5. Malou Jakobsen (DEN, KTM), 88 p.; 6. Lucy Barker (GBR, KTM), 87 p.; 7. Lotte Van Drunen (NED, YAM), 85 p.; 8. Amandine Verstappen (BEL, YAM), 84 p.; 9. April Franzoni (FRA, HON), 73 p.; 10. Lynn Valk (NED, TM), 57 p.
WMX Manufacturers – Top 10 Classification: 1. GASGAS, 150 points; 2. Yamaha, 107 p.; 3. Kawasaki, 100 p.; 4. KTM, 97 p.; 5. Honda, 88 p.; 6. TM Moto, 57 p.; 7. Husqvarna, 48 p.; 8. Triumph, 26 p.
Text/Bild: Infront moto