Ein staubiger, anspruchsvoller Hardpack-Kurs, extreme Hitze und ein Wechselbad der Gefühle: Das Comeback der FIM Motocross-Weltmeisterschaft (MXGP) im geschichtsträchtigen Montevarchi südlich von Florenz verlangte dem amtierenden MX2-Weltmeister Simon Längenfelder am vergangenen Wochenende alles ab. Nach zwei phänomenalen Starts und den jeweiligen Holeshots sicherte sich der Red Bull KTM Factory Racing-Pilot im ersten Lauf einen starken dritten Platz, musste sich nach einem komplizierten zweiten Durchgang jedoch mit dem 6. Gesamtrang des Grand Prix zufriedengeben.
Der Auftakt in das italienische Rennwochenende verlief für den WM-Vierten alles andere als optimal. Ein unverschuldeter Sturz in der ersten Kurve des Qualifikationsrennens am Samstag warf Längenfelder ans Ende des Feldes zurück. Mit einer beeindruckenden Aufholjagd kämpfte er sich noch auf Platz 11 vor, was ihm eine solide, wenn auch nicht perfekte Ausgangsposition für die Wertungsläufe am Sonntag einbrachte.
Perfekte Starts und taktische Hürden am Sonntag
Am Sonntag zeigte der Oberfranke, warum er zu den besten Startern der Welt gehört. Im ersten MX2-Wertungslauf hämmerte Längenfelder als Erster aus dem Gatter, sicherte sich den Holeshot und führte das Feld in die Startkurve. In einem extrem engen und schnellen Rennen bewies er Konstanz und überquerte die Ziellinie als hervorragender Dritter.
Auch im zweiten Lauf brannte Längenfelder den nächsten Holeshot in den italienischen Boden. Auf dem durch die Hitze extrem rutschigen und unberechenbaren Kurs verlor er im Verlauf des Rennens jedoch den Rhythmus. Einige strategische Fehlentscheidungen in den entscheidenden Zweikämpfen kosteten wertvolle Positionen, sodass er den zweiten Lauf auf Platz 12 beendete. In der Addition bedeutete dies Platz 6 für den Grand Prix von Italien. Nach 9 von 19 WM-Runden liegt der amtierende Champion mit 372 Punkten auf dem vierten Rang der Weltmeisterschaft – in Schlagdistanz zu den Podestplätzen.
„Ich werde nicht aufhören zu kämpfen“
Simon Längenfelder zeigte sich nach den Rennen selbstkritisch, aber gewohnt fokussiert:
„Das war ein kniffliges Wochenende. Ich kam mit einem wirklich guten Gefühl nach Italien, aber der Sturz im Quali-Rennen hat mich natürlich zurückgeworfen. Am Sonntag waren die beiden Holeshots der einzig echte Lichtblick. Um ganz vorne mitzuhalten, hätte ich heute einfach ein anderes Level gebraucht. Ich habe auf der Strecke leider ein paar falsche Entscheidungen getroffen, das Fahrgefühl war einfach nicht perfekt. Aber aus solchen Tagen lernt man. Aufgeben ist keine Option – ich werde definitiv nicht aufhören zu kämpfen.“
Blick voraus: Das Triple-Header-Abenteuer in Portugal und Südafrika
Für Längenfelder und das gesamte Team bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Der Grand Prix von Italien markierte den Auftakt zu einem logistischen und physischen Marathon: dem nächsten „Triple-Header“ der Saison 2026. Bereits am kommenden Wochenende (27./28. Juni) zieht der WM-Tross weiter nach Agueda zum Großen Preis von Portugal. Direkt im Anschluss geht es auf einen anderen Kontinent: Auf der extremen Sandstrecke des Terra Topia MX Tracks in Südafrika wartet die nächste Bewährungsprobe auf den Weltmeister, der fest entschlossen ist, den Abstand zur Spitze wieder zu verkürzen.
Ergebnisse MX2 Italien 2026 (Grand Prix Gesamtwertung):
- Sacha Coenen (BEL), Red Bull KTM, 2-2
- Guillem Farres (ESP), Triumph, 1-5
- Camden McLellan (RSA), Triumph, 7-1
- Liam Everts (BEL), Husqvarna, 4-3 … 6. Simon Längenfelder (GER), Red Bull KTM, 3-12
WM-Stand MX2 2026 (nach 9 von 19 Runden):
- Sacha Coenen (BEL), Red Bull KTM, 431 Punkte
- Guillem Farres (ESP), Triumph, 390
- Camden McLellan (RSA), Triumph, 373
- Simon Längenfelder (GER), Red Bull KTM, 372
- Liam Everts (BEL), Husqvarna, 354
Text/Bild: Sascha Sücker/KTM Images/JP Acevedo