Mit dem Start der Rennsaison 2026 vollzieht der deutsche Motorradsport einen entscheidenden Schnitt bei der Sicherheitsausrüstung. Was sich in den letzten zwei Jahren bereits angekündigt hat, wird nun verbindliche Pflicht: Die Ära der Helme nach der alten Norm ECE 22.05 ist im offiziellen Rennsport endgültig vorbei.

Die ECE 22-06 Typ P wird zum nationalen Mindeststandard

Für alle Fahrer, die an Wettbewerben unter dem Dach des DMSB oder des ADAC teilnehmen, ist eine der international anerkannten Prüfnormen ab sofort zwingend vorgeschrieben. Dies betrifft das gesamte Spektrum des Geländesports – von den ADAC MX Masters über die Deutsche Meisterschaft (DMX) bis hin zu den regionalen Landesmeisterschaften.

Folgende Normen sind für die Saison 2026 zugelassen:

  • Europa: ECE 22-06 (Typ P)
  • FIM: FRHPhe-02
  • USA: SNELL M2015, M2020D, M2020R sowie M2025R oder M2025D
  • Japan: JIS T 8133:2015 (Typ 2)

Bei der technischen Abnahme vor dem Rennen wird konsequent auf das entsprechende Prüfsiegel geachtet. Weist der Helm nicht eine dieser Kennungen auf, kann keine Startfreigabe für den Wettbewerb erteilt werden.

Wichtig: Volle Sicherheit auch für den Nachwuchs

Diese Regelungen gelten ausnahmslos für alle Alters- und Hubraumklassen. Besonders in den Nachwuchsklassen der Kinder (z. B. 50ccm, 65ccm und 85ccm) wird bei der technischen Kontrolle penibel auf die Einhaltung geachtet. Da junge Fahrer im Wachstum besonders schützenswert sind, stellt die ECE 22-06 Typ P hier den neuen Sicherheitsstandard dar. Eltern sollten beim Kauf neuer Ausrüstung gezielt auf dieses Siegel achten, um die Startberechtigung nicht zu gefährden.

Technische Hintergründe der neuen Normung

Die Umstellung auf die ECE 22-06 basiert auf einer grundlegenden Neugestaltung der Prüfverfahren. Im Gegensatz zur alten Norm wird ein Helm heute an insgesamt 18 verschiedenen Punkten getestet. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Prüfsequenz ist die obligatorische Messung der Rotationsbeschleunigung.

Da Stürze im Gelände meist in einem schrägen Winkel erfolgen, wird geprüft, wie effektiv der Helm gefährliche Drehkräfte vom Gehirn ableitet. Zudem wird bei variablen Aufprallgeschwindigkeiten getestet, was sicherstellt, dass die Dämpfung sowohl bei massiven Einschlägen als auch bei Stürzen mit geringerer Energie optimal funktioniert.

Nutzung im Hobbybereich und Training

  • Training und privater Gebrauch: Im freien Training auf Motocross-Strecken gilt meist die jeweilige Hausordnung des Vereins. Sofern dort keine spezifischen Normen vorgeschrieben sind, können unbeschädigte Helme älterer Normen oft noch „aufgebraucht“ werden.
  • Lizenzfreie Rennen: Bei Veranstaltungen ohne DMSB-Prädikat (z. B. Hobby-Cups) obliegt die Entscheidung dem Veranstalter. Da sich viele Organisatoren jedoch direkt an den offiziellen Sicherheitsvorgaben orientieren, ist auch hier mit einer Ablehnung veralteter Normen zu rechnen.

Der Standard für den Profisport: FIM FRHPhe-02

Für den internationalen Spitzensport (MXGP) ist die Norm FIM FRHPhe-02 bereits zwingend vorgeschrieben. Dass derzeit nur eine begrenzte Auswahl an entsprechenden Helmen im Handel verfügbar ist, liegt an den extrem hohen technischen Hürden dieses Standards. Die Hersteller stehen vor mehreren Herausforderungen:

  • Massiv verschärfte Testkriterien: Die FRHPhe-02 verlangt unter anderem einen speziellen Durchdringungstest. Dabei muss die Helmschale dem Einschlag eines spitzen Objekts standhalten – eine Prüfung, die viele klassische Leichtbau-Helme ohne strukturelle Neukonstruktion nicht bestehen würden.
  • Der Kompromiss aus Schutz und Gewicht: Um den geforderten Durchdringungsschutz zu erreichen, ist oft der Einsatz von mehr Material oder komplexeren Faserkonstruktionen nötig. Die Ingenieure arbeiten händeringend daran, dieses zusätzliche Sicherheitsplus zu realisieren, ohne die für den MX-Sport so wichtige Leichtigkeit des Helms zu opfern.
  • Komplexes Zulassungsverfahren: Im Gegensatz zu Standardnormen muss für die FIM-Zulassung jede einzelne Schalengröße eines Modells separat zertifiziert werden. Da weltweit nur sehr wenige spezialisierte Prüflabore für diese offizielle Zulassung autorisiert sind, entstehen im Zertifizierungsprozess derzeit erhebliche Wartezeiten.
  • Hoher Entwicklungsaufwand: Dieser langwierige und kostspielige Prozess führt dazu, dass Hersteller neue Modelle oft zeitversetzt und zunächst nur in kleinen Stückzahlen auf den Markt bringen können.

Aktuelle Liste zertifizierter Helme: Da die Liste der nach FRHPhe-02 homologierten Helme laufend durch neue Modelle ergänzt wird, bietet die FIM eine tagesaktuelle Übersicht an. Hier lässt sich exakt prüfen, welche Modelle und Größen bereits die Freigabe erhalten haben:rt lässt sich genau prüfen, welcher Helm in welcher Größe offiziell für den Rennsport zugelassen ist:

Offizielle Liste der FIM homologierten Helme (FRHPhe-02)

Fazit und Ausblick

Für die Saison 2026 ist die ECE 22-06 Typ P der maßgebliche Standard für nationale Serien und stellt einen deutlichen Sicherheitsgewinn dar. Wer jedoch langfristig plant, sollte die Entwicklung im Auge behalten: Es wird damit gerechnet, dass die Anforderungen weiter harmonisiert werden und eine Anpassung für die Saison 2027 auch weitere internationale Serien betreffen könnte. Bei einem Neukauf ist die Wahl eines Helms, der bereits die aktuellsten Normen erfüllt, die zukunftssicherste Entscheidung.