Am 1. Februar 2026 öffnete sich auf der spektakulären Sandstrecke „Lazzaretto“ der erste Vorhang für die europäische Motocross-Saison. Direkt an der Westküste Sardiniens gelegen, bot der Kurs bei Alghero mit seinem tiefen Sand die perfekte Kulisse für den ersten großen Formcheck des Jahres. Die Bedingungen am Vormittag machten die Aufgabe für Mensch und Maschine jedoch noch schwieriger: Kräftige Regenschauer während der Qualifikation verwandelten den ohnehin schon schweren Sand in eine schlammige und tückische Herausforderung. Erst pünktlich zu den Rennläufen riss der Himmel auf, hinterließ aber eine extrem zerfurchte und technisch anspruchsvolle Piste.
125ccm: Moritz Ernecker dominiert
Der Saisonauftakt der Internazionali d’Italia Motocross 2026 im sandigen Alghero entwickelte sich in der 125ccm-Nachwuchsklasse zu einer beeindruckenden Machtdemonstration von Moritz Ernecker. Auf der technisch höchst anspruchsvollen Piste unterstrich der Österreicher aus dem KTM Factory Rookies Team seine Ambitionen für die kommende Saison und feierte einen souveränen Tagessieg mit der maximalen Punkteausbeute.
Bereits im ersten Wertungslauf setzte Ernecker ein deutliches Ausrufezeichen, als er das Feld nach Belieben dominierte und mit einem massiven Vorsprung von über 40 Sekunden ins Ziel kam. Während der Italiener Andrea Uccellini auf seiner TM im ersten Durchgang noch als zweitstärkste Kraft glänzen konnte, wurde das Klassement im zweiten Lauf kräftig durcheinandergewürfelt. Uccellini musste nach seinem starken Auftakt einen herben Rückschlag hinnehmen und blieb im zweiten Rennen ohne Punkte, was ihn in der Gesamtwertung bis auf den zehnten Rang zurückwarf. Ein ähnliches Schicksal ereilte den Dänen Bertram Thorius auf der Fantic: Nachdem er im ersten Lauf leer ausging, zeigte er im zweiten Durchgang mit einem hervorragenden zweiten Platz seine wahre Klasse, musste sich in der Tagesendabrechnung jedoch mit Rang neun begnügen.
Von diesen Turbulenzen unbeeindruckt zeigte sich der Schweizer Emil Ziemer. Mit einer extrem abgeklärten und konstanten Leistung fuhr er in beiden Läufen jeweils auf den dritten Rang. Diese Zuverlässigkeit zahlte sich aus, denn mit insgesamt 40 Punkten sicherte sich Ziemer den zweiten Platz auf dem Podium der Gesamtwertung. Das Treppchen komplettierte der Italiener Riccardo Pini auf TM, der mit zwei fünften Plätzen und 32 Punkten bewies, dass man im tiefen Sand von Alghero vor allem durch Fehlerfreiheit nach vorne kommt.
Hinter den Podestplätzen reihten sich Francesco Assini auf Yamaha und Gennaro Utech auf Fantic ein, die sich über den Tag hinweg spannende Zweikämpfe lieferten. Letztlich blieb das Wochenende jedoch die große Bühne für Moritz Ernecker, der auch den zweiten Lauf souverän kontrollierte und mit einem Vorsprung von 22 Sekunden gewann. Mit diesem makellosen Doppelsieg schickt Ernecker eine deutliche Kampfansage an die europäische Konkurrenz für die bevorstehende EMX125-Saison.
Gesamtwertung Alghero – 125ccm (Top 10)
| Pos. | Fahrer | Marke | Team / Motoclub | Punkte (L1+L2) |
| 1. | Moritz Ernecker | KTM | KTM Factory Rookies Team | 50 (25+25) |
| 2. | Emil Ziemer | KTM | – | 40 (20+20) |
| 3. | Riccardo Pini | TM | MCV Motorsport | 32 (16+16) |
| 4. | Francesco Assini | Yamaha | Berbenno | 29 (18+11) |
| 5. | Gennaro Utech | Fantic | Fantic Factory EMX | 28 (10+18) |
| 6. | Leonardo Calandra | Yamaha | Berbenno | 27 (13+14) |
| 7. | Edoardo Riganti | Yamaha | Gorlese Mario Colombo | 26 (11+15) |
| 8. | David Cracco | KTM | Brogliano | 23 (14+9) |
| 9. | Bertram Thorius | Fantic | Fantic Factory EMX | 22 (0+22) |
| 10. | Andrea Uccellini | TM | AU 353 Motorsport | 22 (22+0) |
MX2: Sacha Coenen unantastbar
Sacha Coenen (Red Bull KTM) bewies jedoch eindrucksvoll, dass er aktuell der Maßstab im Sand ist, auch wenn er im ersten Lauf hart für seinen Erfolg arbeiten musste. Über weite Strecken sah es nach einer Überraschung aus, als der Lette Janis Reisulis (#772) auf seiner Yamaha das Feld anführte und dem Druck der Verfolger lange standhielt. Doch Coenen bewahrte die Ruhe, kämpfte sich kontinuierlich nach vorne und übernahm schließlich die Spitze, um das Rennen mit deutlichem Vorsprung nach Hause zu fahren. Im zweiten Durchgang ließ der Belgier dann von der ersten Sekunde an keinen Zweifel mehr aufkommen: Mit einem perfekten Start-Ziel-Sieg kontrollierte er das Geschehen nach Belieben und feierte mit der maximalen Punktzahl den unangefochtenen Tagessieg.
Der deutsche Weltmeister Simon Längenfelder steigerte sich im Laufe des Tages zwar ergebnistechnisch, hatte aber mit den typischen Tücken des Saisonauftakts zu kämpfen. In beiden Läufen machten ihm „harte Arme“ zu schaffen, was es extrem schwierig machte, das mörderische Tempo an der Spitze über die volle Distanz mitzugehen. Trotz dieses körperlichen Handicaps biss Längenfelder sich durch, sicherte sich im zweiten Lauf den zweiten Platz hinter Coenen und rettete damit den Silberrang in der Gesamtwertung – eine starke Schadensbegrenzung unter schwierigen Vorzeichen.
Besonders hervorzuheben war der starke Auftritt des deutschen Sixty Seven Racing Teams. Der Niederländer Scott Smulders zeigte auf der Sixty-Seven-Maschine eine beeindruckende Konstanz und kämpfte sich in beiden Läufen in die absolute Weltspitze vor. Mit den Plätzen 4 und 5 sicherte er sich den hervorragenden sechsten Gesamtrang. Auch sein Teamkollege Maximilian Ernecker wusste zu überzeugen: Nach einem soliden ersten Lauf steigerte er sich im zweiten Rennen enorm und fuhr als Siebter über die Ziellinie. Damit belegte er in der Endabrechnung den siebten Platz und bescherte dem Sixty Seven Racing Team ein erstklassiges Gesamtergebnis auf internationalem Parkett.
Für eine historische Sensation sorgte Ferruccio Zanchi, der bei seinem ersten internationalen Renneinsatz auf der brandneuen Ducati 250 direkt das Podium (Gesamtplatz 3) erklomm. Ein starkes Ausrufezeichen setzte zudem Cas Valk, der seine TM im zweiten Lauf auf den dritten Rang pilotierte und damit Rang vier in der Tageswertung festigte.
Gesamtwertung Alghero – MX2 (Top 10)
| Pos. | Fahrer | Marke | Team / Motoclub | Punkte (G1+G2) |
| 1. | Sacha Coenen | KTM | Red Bull KTM Factory Racing | 50 (25+25) |
| 2. | Simon Längenfelder | KTM | Red Bull KTM Factory Racing | 42 (20+22) |
| 3. | Ferruccio Zanchi | Ducati | Ducati Beddini Racing | 37 (22+15) |
| 4. | Janis Reisulis | Yamaha | Monster Energy Yamaha Factory | 34 (16+18) |
| 5. | Scott Smulders | Husqvarna | Sixty Seven Racing Team | 34 (18+16) |
| 6. | Cas Valk | TM | TM Moto CRD | 32 (12+20) |
| 7. | Maximilian Ernecker | KTM | Sixty Seven Racing Team | 27 (13+14) |
| 8. | Noel Zanocz | KTM | – | 27 (15+12) |
| 9. | Filippo Mantovani | KTM | Bonanni | 21 (10+11) |
| 10. | Joosep Parn | GasGas | – | 20 (11+9) |
MX1: Lucas Coenen mit perfekter Ausbeute
Das erste Aufeinandertreffen der MX1-Elite bei den Internazionali d’Italia in Alghero stand ganz im Zeichen der KTM-Stärke und beeindruckender Aufholjagden. Auf der technisch anspruchsvollen Sandstrecke „Lazzaretto“ präsentierte sich Lucas Coenen in bestechender Frühform. Während im ersten Lauf noch sein Teamkollege Andrea Adamo den Holeshot zog und das Feld die ersten Runden anführte, übernahm Coenen in beiden Durchgängen jeweils früh das Kommando. Mit der absolut schnellsten Rennrunde des Tages (1:47.193 min) und zwei souveränen Laufsiegen sicherte er sich das Punktemaximum und den unangefochtenen Tagessieg.
Für Tim Gajser verlief das Debüt auf der Yamaha als Wechselbad der Gefühle. Im ersten Durchgang wurde er durch ein massives Startgetümmel weit zurückgeworfen und musste sich mühsam von Rang elf bis auf den fünften Platz vorkämpfen. Im zweiten Lauf gelang der Start deutlich besser: Gajser setzte sich früh in der Verfolgergruppe fest und sicherte sich mit einem starken zweiten Platz den zweiten Rang in der Tageswertung. Punktgleich dahinter komplettierte der Spanier Oliver Oriol nach zwei extrem konstanten Läufen (3/4) das Podium.
Ein bitteres Ende nahm der Tag für Andrea Adamo. Nach seinem glänzenden zweiten Platz im ersten Durchgang musste er im zweiten Lauf eine Nullrunde hinnehmen, was ihn in der Gesamtwertung auf Rang neun zurückwarf. Im Gegensatz dazu zeigten Alberto Forato und Mattia Guadagnini eine starke Performance und belegten die Plätze vier und fünf der Tageswertung. Auch Brian Hsu wusste zu überzeugen: Mit einer sehr kontrollierten Fahrweise sicherte er sich zwei Top-12-Ergebnisse und schloss das Wochenende als starker Gesamtzehnter ab.
Gesamtwertung Alghero – MX1 (Top 10)
| Pos. | Fahrer | Marke | Team / Motoclub | Punkte (G1+G2) |
| 1. | Lucas Coenen | KTM | Red Bull KTM Factory Racing | 50 (25+25) |
| 2. | Tim Gajser | Yamaha | Monster Energy Yamaha Factory | 38 (16+22) |
| 3. | Oliver Oriol | KTM | KTM SS24 | 38 (20+18) |
| 4. | Alberto Forato | Fantic | Fantic Factory Racing | 34 (14+20) |
| 5. | Mattia Guadagnini | KTM | KTM Van Venrooy | 34 (18+16) |
| 6. | Jan Pancar | KTM | Tem JP253 | 29 (15+14) |
| 7. | Jago Geerts | Beta | MRT Racing Beta | 24 (13+11) |
| 8. | Jorgen M. Talviku | Yamaha | – | 23 (11+12) |
| 9. | Andrea Adamo | KTM | Red Bull KTM Factory Racing | 22 (22+0) |
| 10. | Brian Hsu | Honda | MCV Motorsport | 19 (9+10) |
Bild: KTM/Juan Pablo Acevedo