Das Africa Eco Race 2026, das traditionell den Spuren der ursprünglichen Rallye Dakar folgt, hat nach den ersten fünf Etappen in Marokko den Ruhetag in Dakhla erreicht. Die sportliche Bilanz für die deutschsprachige Delegation fällt zur Halbzeit außergewöhnlich stark aus – gekrönt durch einen Erfolg für Kevin Gallas.

An der Spitze des Feldes sorgt der Deutsche Kevin Gallas für die Sensation der ersten Woche. Auf seiner schweren Yamaha Ténéré 700 konnte er sich gegen die versammelte Konkurrenz auf leichteren 450er-Rallye-Maschinen durchsetzen und die 5. Etappe nach Dakhla gewinnen. Mit einer fehlerfreien Navigation und extremem Speed in den technisch anspruchsvollen Passagen sicherte er sich diesen prestigeträchtigen Tagessieg.

Kevin Gallas: „Das hat richtig Spaß gemacht! Ehrlich gesagt hat es sich heute sogar ziemlich leicht angefühlt. Obwohl die Navigation knifflig war, habe ich keine Fehler gemacht und konnte die zusätzliche Power der Ténéré voll ausnutzen, während ich mich an das Tempolimit gehalten habe. Ich fühle mich wirklich gut, und ein Etappensieg bei meiner ersten AER ist etwas Besonderes. Außerdem bin ich jetzt ganz nah an der Spitze dran und führe die 650er-Klasse an. Ich freue mich zwar, den Ruhetag erreicht zu haben, blicke aber schon jetzt voller Vorfreude auf die nächste Etappe.“

In der Gesamtwertung liegt Gallas damit zur Halbzeit auf einem hervorragenden zweiten Platz, nur hauchdünne 25 Sekunden hinter dem Führenden Jean-Loup Lepan (KTM). Gallas beweist damit eindrucksvoll, dass die großvolumigen Zweizylinder-Maschinen unter den richtigen Händen absolut siegfähig sind.

Ein ebenso starkes Rennen liefert Mike Wiedemann ab, der zur Halbzeit auf dem siebten Gesamtrang rangiert. Wiedemann profitiert von seiner Erfahrung aus vorangegangenen Wüstenrennen und seiner Fähigkeit, die Navigation auch bei hohem Tempo fehlerfrei umzusetzen. Dass mit Gallas und Wiedemann zwei deutsche Fahrer in den Top 10 liegen, unterstreicht die aktuelle Stärke der hiesigen Szene, insbesondere im Verbund mit dem Yamaha-Werksprojekt „Ténéré Spirit Experience“.

Im hart umkämpften Mittelfeld behauptet sich der Österreicher Luca Seppele auf seiner Kove 450 EX. Mit dem 31. Gesamtrang liegt er gut im Rennen und demonstriert die Zuverlässigkeit der aufstrebenden chinesischen Marke Kove. Seppele verfolgt eine kluge Strategie der Risikominimierung, was sich in den bisher geringen Zeitabständen zu den vor ihm Platzierten widerspiegelt. Nur wenig dahinter hält Mike Bächler auf seiner KTM mit dem 42. Rang den Anschluss an die erste Tabellenhälfte und beweist dabei große Konstanz unter schwierigen Bedingungen. Ein spannendes internes Duell liefern sich zudem Kai Fröhlich und Thomas Fathke, die auf den Plätzen 56 und 57 fast zeitgleich im Klassement geführt werden. Im weiteren Feld kämpfen sich Jan Winkler und Michael Riebel auf den Rängen 70 und 71 durch die anspruchsvollen Etappen, während der Luxemburger Frédéric Richter auf Platz 75 die Gruppe komplettiert. Seine Leistung verdient besondere Beachtung, da er in der Kategorie Motul Extreme Rider startet und somit die gesamte Wartung seiner Maschine nach den Etappen völlig ohne Mechaniker-Hilfe bewältigt.

Hintergrund der bisherigen Etappen waren die oft harten, steinigen Pisten Marokkos, die das Material extrem beanspruchten. Dabei stand die diesjährige Ausgabe von Beginn an unter einem schwierigen Stern: Die erste geplante Etappe sowie der Prolog mussten aufgrund extremer Witterungsbedingungen abgesagt werden. Schwere Regenfälle und ungewöhnlich starker Schneefall im Atlasgebirge machten eine sichere Durchführung der Wertungsprüfung unmöglich. Die Teilnehmer mussten stattdessen eine rund 800 Kilometer lange Verbindungsetappe bewältigen, auf der sie bei eisigen Temperaturen, Dauerregen und sogar Schnee unterwegs waren – eine enorme Belastungsprobe für Mensch und Material bereits vor dem eigentlichen Rennstart.

Der nun anstehende Wechsel nach Mauretanien markiert den strategischen Wendepunkt der Rallye. Hier warten weiche Dünenfelder und deutlich höhere Temperaturen. Für Kevin Gallas bietet sich in den Sandpassagen die Chance, den minimalen Rückstand auf die Spitze wettzumachen, wobei das höhere Gewicht seiner Maschine in extrem weichen Passagen eine Herausforderung darstellen wird. Die Rallye bleibt damit bis zum Ziel am Lac Rose in Dakar am 7. Februar hochspannend.

Bild: Yamaha Racing