Der legendäre Talkessel im sächsisch-anhaltinischen Teutschenthal bot auch in diesem Jahr vor über 30.000 begeisterten Zuschauern eine spektakuläre Kulisse für die Motocross-Weltmeisterschaft, die durch die vorzeitige Vertragsverlängerung des Traditionskurses bis 2038 gekrönt wurde. Auf der tief ausgefahrenen und fahrtechnisch extrem anspruchsvollen Hartbodenstrecke untermauerte Lucas Coenen in der Königsklasse MXGP seine Ambitionen auf den WM-Titel. Er dominierte das Geschehen an der Spitze und profitierte dabei auch von einem bitteren Nuller seines Rivalen Jeffrey Herlings im ersten Lauf, während Tim Gajser als härtester Verfolger Schadensbegrenzung betrieb; aus deutscher Sicht zeigten Tom Koch mit einem 12. Platz und Maximilian Spies mit Rang 16 in ihren jeweils besten Laufergebnissen starke Aufholjagden. Das Gesamtergebnis der MXGP spiegelte die KTM-Dominanz wider: Lucas Coenen holte sich mit einem perfekten Doppelsieg (1-1) den Tagessieg vor seinem Teamkollegen Andrea Adamo (7-3) und Ruben Fernandez (3-7) auf der Honda.

In der MX2-Klasse stand das Wochenende im Zeichen großer Emotionen, als der Franzose Mathis Valin den ersten Kawasaki-Gesamtsieg seit fast einem Jahrzehnt feierte. Die WM-Führung übernahm indes Sacha Coenen auf KTM, was die historische Situation perfekt macht, dass die Coenen-Zwillinge nun zeitgleich die roten Startnummerntafeln beider WM-Klassen tragen. Der deutsche Top-Fahrer Simon Längenfelder begeisterte die heimischen Fans mit einem starken dritten Platz im zweiten Durchgang, während der Triumph-Pilot Camden McLellan nach einer kämpferischen Leistung das Podest komplettierte. Im MX2-Gesamtergebnis siegte Mathis Valin (2-1) punktgleich vor Sacha Coenen (1-2), gefolgt von Camden McLellan (3-6) auf Platz drei, während Simon Längenfelder am Ende den fünften Gesamtrang belegte.

Die europäische Nachwuchsklasse EMX250 wurde vom Australier Jake Cannon auf Kawasaki beherrscht, der sich in engen Duellen den prestigeträchtigen Gesamtsieg sichern konnte. Das zweite EMX-Rennen entwickelte sich dabei durch starken Regen zu einer extremen Rutschpartie, was den Fahrern alles abverlangte. Der Däne Mads Fredsøe feierte im trockenen ersten Lauf zwar noch einen viel umjubelten Start-Ziel-Sieg, schied im zweiten Durchgang unter den schwierigen, nassen Bedingungen jedoch vorzeitig aus. Aus deutscher Sicht zeigte der Youngster Linus Jung auf seiner Husqvarna eine kämpferische Leistung und belohnte sich mit Platz 20 mit einem hart umkämpften EM-Punkt im stark besetzten europäischen Feld. Das EMX250-Gesamtergebnis ging somit an Jake Cannon (40 Punkte) vor dem Niederländer Gyan Doensen (38 Punkte) auf Platz zwei und dem Italiener Nicolò Alvisi (33 Punkte) auf dem dritten Rang; der unglückliche Mads Fredsøe rettete durch seinen ersten Laufsieg immerhin noch Gesamtrang acht.

Bei den Frauen in der WMX-Klasse unterstrich die Spanierin Daniela Guillen ihre Ausnahmestellung und siegte souverän vor den Routiniers Kiara Fontanesi und Courtney Duncan. Für ein emotionales Highlight sorgte die deutsche Vorzeigefahrerin Larissa Papenmeier, die auf ihrer Heimstrecke unter großem Jubel ihren geschichtsträchtigen 100. und gleichzeitig letzten Grand Prix bestritt; sie verabschiedete sich mit einer gewohnt soliden Vorstellung und einem starken siebten Gesamtrang von der WM-Bühne, während Nachwuchstalent Alexandra Massury die Top 10 auf Platz 11 nur knapp verpasste. Das WMX-Gesamtergebnis sah demnach Daniela Guillen ganz oben auf dem Podium, flankiert von Kiara Fontanesi auf dem zweiten und Courtney Duncan auf dem dritten Platz.