Der ehemalige Grand-Prix-Sieger Stephen Sword verbrachte den Großteil seiner Karriere auf Kawasaki – von der britischen Jugend-Szene bis hin zur MX2- und MX1-FIM-Motocross-Weltmeisterschaft. Nun ist er in einer neuen Rolle zurück im Fahrerlager: Er arbeitet für die ACU (Auto-Cycle Union), um seine wertvolle Erfahrung an junge britische Talente weiterzugeben. Wir haben uns kürzlich beim MXGP von Deutschland mit ihm unterhalten.

Aktuell gehen nur wenige britische Fahrer in der Europameisterschaft und der Motocross-Weltmeisterschaft an den Start. Die ACU, der nationale Dachverband für den Motorradsport in Großbritannien, hat daher Anfang des Jahres eine neue Strategie ins Leben gerufen. Ähnlich wie es andere nationale Verbände in Italien, Frankreich oder Spanien bereits in den letzten Jahrzehnten getan haben, hat die ACU nun Stephen Sword und Mark Chamberlain in neue Positionen berufen. Ihre Aufgabe ist es, den Nachwuchs zu coachen, zu unterstützen und ihnen den Weg auf die internationale Bühne zu ebnen.

„Die ACU brauchte eine Präsenz im Fahrerlager, um jungen Fahrern zu helfen. Natürlich wird es einige Zeit dauern, bis sich die Erfolge einstellen. Ich arbeite eng mit Mark Chamberlain für die ACU zusammen. Es ist großartig, wieder dabei zu sein, Talente zu erkennen und sie zu fördern – genau so, wie es andere Verbände schon seit Jahren tun“, erklärt Stephen, der seine neue Aufgabe sehr ernst nimmt.

Die High Performance Academy der ACU

Schwedische, britische und belgische Fahrer kämpften schon seit dem Start der Motocross-Weltmeisterschaft in den 1950er-Jahren um Titel. Jeff Smith, Graham Noyce, Neil Hudson und James Dobb holten allesamt Weltmeistertitel für Großbritannien – der letzte liegt allerdings schon im Jahr 2001. Um dem entgegenzuwirken, hat die ACU nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein gezieltes Konzept zur Nachwuchsförderung auf den Weg gebracht.

„Jedem ist aufgefallen, dass im Moment nicht viele britische Fahrer den Sprung in die GPs schaffen. Es wird seine Zeit brauchen, aber wir haben einige vielversprechende Talente in der 85er-Klasse. Eines der aktuellen Probleme ist, dass es kaum noch britische Teams im Fahrerlager gibt. Steve Dixon und Shaun Simpson haben ihre Plätze bereits besetzt, weshalb es für junge britische Fahrer extrem schwer ist, Unterstützung zu finden“, erklärt „Swordy“, der seine eigene aktive Karriere vor einigen Jahren beendet hat.

„Das Rennfahren war mein ganzes Leben. Als ich damit aufhörte, fiel mir der Übergang schwer – wie wahrscheinlich vielen Fahrern, die plötzlich einen neuen Weg im Leben finden müssen. Ich fing an, Fahrer zu coachen und zu unterstützen, denn im Sport involviert zu bleiben, ist das Nächstbeste nach der aktiven Karriere. Aber man kann das Rennfahren nicht ersetzen; dieses Gefühl holt man sich nicht so leicht zurück. Zum Glück hat man seine Familie um sich, und ich bin gut beschäftigt mit den Kindern, die gerade groß werden!“

Eine Karriere im Zeichen von Kawasaki

Stephens Karriere war extrem lang; er begann bereits im Alter von sechs Jahren mit dem Rennsport. Es dauerte nicht lange, bis er in Großbritannien zum legendären Team Green stieß.

„Es fing alles mit dem Team Green in Großbritannien an, als ich noch ein kleiner Junge von sieben Jahren war! Alec Wright leitete damals die Jugend- und Erwachsenen-Motocross-Teams. Ich gewann alle Titel in den Schülerklassen und blieb in diesem Team, bis ich fünfzehn war“, erinnert er sich mit einem Lächeln und voller schöner Erinnerungen.

Dank seiner starken Leistungen und seines Potenzials fuhr er in der Folge für verschiedene Teams in der 125er-GP-Klasse. Seine erfolgreichste Zeit erlebte er jedoch, als er im Werksteam des Niederländers Jan de Groot wieder auf einer grünen Kawasaki saß.

„Meine besten Ergebnisse kamen mit dem Wechsel zu Jan. Zuvor stand ich noch nie auf dem Podium, aber in seinem Team fuhr ich regelmäßig aufs Treppchen, holte Laufsiege und das rote Schild des Meisterschaftsführenden. Auf den Kawasaki-Werksmaschinen passte einfach alles zusammen. Jan gab mir das nötige Selbstvertrauen. Er hatte den Ruf, Fahrer besser zu machen – das hatte er schon bei Greg Albertyn und vielen anderen bewiesen. Er gewann so viele GPs und Titel. Er war ein fantastischer Tuner und das Team war perfekt organisiert. Wir reisten für Tests nach Japan und mein damaliger Teamkollege war Mickael Maschio, ein großartiger Typ, der mir viel geholfen hat. Diese Kombination hat mich auf ein völlig neues Level gehoben“, erklärt Stephen, der seinen ersten Grand Prix 2004 beim deutschen Lauf in Teutschenthal gewann.

Die Saison 2004 sollte die beste seiner Karriere werden, die er auf dem vierten Platz der MX2-Weltmeisterschaft abschloss.

„2004 war definitiv meine stärkste Saison. Vorher war ich noch nie auf dem Podium gewesen, und in diesem Jahr gewann ich plötzlich meinen ersten GP. Direkt beim Saisonauftakt in Zolder stand ich auf dem Podest, beim nächsten GP in Spanien wieder und ich übernahm das rote Schild! Später holte sich Ben Townley die Führung zurück, aber nach meinem GP-Sieg in Deutschland führte ich die Meisterschaft erneut an. Später in der Saison verletzte ich mich am Handgelenk. Ich biss mich zwar durch und fuhr weiter, aber für den Titel reichte es am Ende leider nicht ganz“, erinnert er sich.

Nach einer weiteren Saison und drei weiteren Podestplätzen in der MX2-Klasse bot Jan de Groot Stephen die Chance, an der Seite von Tanel Leok in die Königsklasse MX1 aufzusteigen. Eine schwere Verletzung bremste ihn jedoch frühzeitig aus.

„Ich verbinde sowohl sehr gute als auch schlechte Erinnerungen mit Teutschenthal: 2004 habe ich hier gewonnen, aber 2006, als ich für Jan in der MX1-Klasse fuhr, habe ich mir genau hier den Knöchel gebrochen“, fügt er hinzu.

Nach seiner Rückkehr in die MX2-Klasse im Jahr 2007 mit dem Team Molson Kawasaki feierte er 2008 seinen letzten GP-Podestplatz, bevor er Ende 2010 seine GP-Karriere endgültig beendete.

Heute widmet er seine Zeit der Aufgabe, jungen Fahrern dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Und wer weiß? Vielleicht ebnet er damit dem nächsten Talent den Weg, in die Fußstapfen legendärer britischer Fahrer wie Graham Noyce, Neil Hudson, Dave Thorpe, Paul Malin, James Dobb oder Tommy Searle zu treten.

Text/Bild: Kawasaki Racing Team