Von einem einzelnen Fernsehvertrag im Jahr 1996 bis hin zum weltweit vollständigsten Offroad-Motorsport-Ökosystem: Drei Jahrzehnte der Innovation haben die Motocross-Weltmeisterschaft in die MXGP verwandelt und einen klaren, glaubwürdigen Weg für jeden Fahrer geebnet, der davon träumt, die Spitze zu erreichen.
Im Jahr 2026 stehen die Maschinen, die die größten Motocross-Champions der Geschichte zu WM-Ruhm trugen, in Lommel zur Schau. Sie markieren genau dreißig Jahre, seit die Action Group erstmals die FIM-Fernsehrechte an der Motocross-Weltmeisterschaft erwarb. Es ist eine würdige Art, dieses Jubiläum zu begehen, denn die Geschichte der letzten drei Jahrzehnte handelt nicht wirklich von Maschinen. Sie handelt von zwei Männern, die 1996 beschlossen, aus einer zersplitterten Ansammlung nationaler Grands Prix einen einzigen, professionellen und weltweit vermarkteten Sport zu machen – und die die folgenden drei Jahrzehnte damit verbrachten, dies zu beweisen.
Giuseppe Luongo legte das Fundament. Sein Sohn David Luongo, heute Präsident und CEO von Infront Moto Racing, hat es in das digitale Zeitalter geführt. Gemeinsam mit den von ihnen geleiteten Organisationen – Action Group, dann Youthstream, heute Infront Moto Racing – haben sie den Motocross-Sport von Grund auf neu gestaltet: die TV-Produktion, die kommerzielle Struktur, den Nachwuchsweg für die Fahrer, das Fannerlebnis und die Sicherheitsstandards. Fast nichts davon, wie ein Grand Prix heute aussieht, klingt, Tickets verkauft oder auf Bildschirmen zu sehen ist, existierte in dieser Form, als sie anfingen.
David und Giuseppe Luongo
1996–2003: Eine Meisterschaft aus einem Kalender formen
Vor 1996 war die Motocross-Weltmeisterschaft in der Praxis eine Reihe unabhängig organisierter nationaler Events, die lediglich durch eine gemeinsame Punktetabelle lose miteinander verbunden waren. Der Erwerb der FIM-TV-Rechte durch die Action Group im Jahr 1996, gefolgt von den Promotions-, Kommerz- und Kalenderrechten ein Jahr später, veränderte das Betriebsmodell von Grund auf. Zum ersten Mal erhielt jeder Grand Prix eine koordinierte Fernsehberichterstattung, und eine einzige Organisation war dafür verantwortlich, wie die Meisterschaft präsentiert und vermarktet wurde – unabhängig davon, was der jeweilige lokale Veranstalter individuell auf die Beine stellen konnte.
Die Wirkung zeigte sich schnell. Zwischen 1997 und 1998 etablierte sich bei jedem Lauf ein einheitliches Erscheinungsbild: abgestimmte Podien, Werbewände und eine Eventpräsentation, die einen Grand Prix in einem Land sofort als Teil derselben Meisterschaft wie in einem anderen Land erkennbar machte. 1999 organisierte die Action Group die FIM World Champions Awards und die Moto Winter Week in Monte Carlo und Sestriere – die ersten großen internationalen Feierlichkeiten, die gemeinsam um die FIM und ihre Champions herum aufgebaut wurden, und ein frühes Signal dafür, dass diese Meisterschaft wie ein großer Sport behandelt und vermarktet werden sollte. Zwischen 2000 und 2002 brachte ein internationaler Vertriebsvertrag mit Fox Sports die Motocross- und Supercross-Weltmeisterschaften in TV-Märkte, die den Sport zuvor nie zuverlässig zu Gesicht bekommen hatten.
2004–2010: Youthstream übernimmt das Ruder
Am 1. Januar 2004 wurde Youthstream offiziell zum Promoter der Motocross-Weltmeisterschaft, was die Befugnis mit sich brachte, die Identität des Sports vom Fahrerlager aus neu aufzubauen. Die Klassennamen 125cc, 250cc und 500cc wurden zugunsten von MX1 und MX2 eingestellt – eine auf dem Papier kleine Änderung, die jedoch eine größere Ambition signalisierte: Dies war nun eine moderne, gut vermarktbare Weltmeisterschaft und keine Ansammlung von Hubraumkategorien mehr. Stefan Everts gewann 2004 den ersten MX1-Titel der Youthstream-Ära auf seinem Weg zum erfolgreichsten Fahrer der Sportgeschichte. Seine Karriere verlief gewissermaßen parallel zur Professionalisierung der Meisterschaft selbst.
Stefan Everts, 2004
Zwischen 2004 und 2006 wurden Fahrerlager, Hospitality-Bereiche, Teameinrichtungen und Medienzonen bei allen Läufen schrittweise standardisiert. Es war der Beginn der Idee, dass ein Fahrer, Sponsoringpartner oder Sender dieselbe operative Qualität vorfinden sollte – egal ob der Grand Prix in Belgien oder Brasilien stattfand. 2005 rief Youthstream den Women’s Motocross World Cup ins Leben, den ersten weltweiten Frauenwettbewerb im Motocross, der 2008 den offiziellen Status der FIM Frauen-Motocross-Weltmeisterschaft erhielt. Bis 2006 verzeichnete die Meisterschaft 702 Stunden weltweite TV-Berichterstattung und ein kumuliertes Publikum von 590 Millionen Zuschauern – Zahlen, die ein Jahrzehnt zuvor undenkbar gewesen wären. Eine zentralisierte Fernsehproduktion, eine konsistente internationale Regie, Grafiken, Aufnahmen und Highlights wurden zum Standard. Auch die optische Präsentation der Rennstrecken – von den Startgattern über die Paddock-Bereiche bis hin zur Beschilderung – wurde zu einem ebenso wiedererkennbaren Teil der Marke MXGP wie das Renngeschehen selbst.
In dieser Zeit entwickelte Youthstream eine seiner sichtbarsten und nachhaltigsten Innovationen: die Boxengasse (Pitlane). Bis dahin war eine Motocross-Boxengasse kaum mehr als ein Streifen Land, auf dem Mechaniker mit einem Ersatzrad warteten. Youthstream verwandelte sie in ein zweistöckiges, voll funktionsfähiges Gebäude, das bei jedem Lauf aufgebaut wurde. Im Erdgeschoss erhielten die Mechaniker zum ersten Mal in der Geschichte des Sports Live-Timing und Zeitnahme an ihren eigenen Arbeitsplätzen, sodass die Teams genau das wussten, was das TV-Publikum Runden für Runde sah. Auf der Etage darüber konnten die Teams ihre eigenen Gäste, Sponsoren, Partner und Medienvertreter in einem Hospitality-Bereich empfangen, der direkt über ihren eigenen Motorrädern lag – mit freiem Blick auf die Strecke. Es war das erste Mal, dass ein Motocross-Team bei jedem Grand Prix von derselben Struktur aus einen Fahrer betreuen und gleichzeitig seine Marke professionell präsentieren konnte. Die Boxengasse war kein reiner Servicebereich mehr, sondern der Ort, an dem Teams Geschäfte machten.
Parallel dazu entstand das VIP-Restaurant, der direkte Vorläufer der heutigen VIP-Skybox. Die Struktur, die heute bei jedem europäischen Lauf hinter dem Startgitter steht, nahm 2013 erstmals ihre heutige Form an. Konzipiert als mobile Hospitality-Struktur mit Restaurant und Terrasse mit Blick auf die Startgerade, sollte die Skybox zu einem der meistfotografierten Bauwerke im Sport werden.
2011–2014: Der digitale Sprung und die Enthüllung der Skybox
Wenn eine Vier-Jahres-Spanne die Transformation der MXGP zu einem modernen Sport-Property definiert, dann ist es diese.
Im Jahr 2011 startete Youthstream MX-Life.tv, eine der allerersten OTT-Streamingplattformen im Motorsport, die einer einzelnen Weltmeisterschaft gewidmet war. Sie bot den Fans Live-Rennübertragungen, Video-on-Demand und Saison-Pakete direkt an – Jahre bevor Streaming zum Branchenstandard wurde. Im selben Jahr hielt ein permanentes TV-Studio Einzug im Fahrerlager jedes Grand Prix. Zudem wurde das Samstags-Qualifikationsrennen live gestreamt – ein Format, das 2009 als erstes im internationalen Motorsport eingeführt worden war, um die Startplatzwahl für den Rennsonntag zu ermitteln.
Die Meisterschaft begann außerdem mit dem Aufbau eines eigenen Social-Media-Ökosystems. Diese Infrastruktur ermöglichte es der MXGP, direkt mit ihren Fans zu kommunizieren, anstatt sich ausschließlich auf TV-Sender und Printmedien zu verlassen. Um 2012 herum wurde die MXGP Academy ins Leben gerufen – ein internationales Programm zur Ausbildung junger Fahrer und Trainer in aufstrebenden Motocross-Nationen und der erste konkrete Baustein für die spätere sportliche Pyramide der Meisterschaft.
Das Qualifikationsrennen am Samstag verdient mehr als nur eine Erwähnung, denn es ist eines der deutlichsten Beispiele dafür, dass die MXGP eine Vorreiterrolle einnahm. Im Jahr 2009 wurde das Grand-Prix-Wochenende um eine einfache Überzeugung herum neu aufgebaut: Fans kommen, um Renn-Action zu sehen, nicht um einer Stoppuhr zuzuschauen. Der Samstag war somit keine gezeite Trainingseinheit mehr, sondern ein echtes Rennen. Auf das freie Training folgte ein Pre-Qualifikationstraining (das heutige Time Practice), das die Startaufstellung für das Qualifikationsrennen festlegte, und schließlich ein volles Qualifikationsrennen über etwa 25 Minuten in der ersten Saison. Echte Starts, echte Überholmanöver, echte Konsequenzen – denn das Ergebnis bestimmte die Startplatzwahl für den Sonntag. Das Format wurde seitdem verfeinert und läuft heute über 20 Minuten plus zwei Runden, aber das Prinzip gilt seit 17 Jahren: zwei Renntage statt einer, und ein Samstagsticket, das sich von selbst lohnt.
Zu dieser Zeit bot kein anderer großer internationaler Motorsport-Wettbewerb etwas Vergleichbares. Die italienischen MXGP-Läufe, allen voran Mantova, wurden zum Aushängeschild für dieses Format. Die Formel 1 beispielsweise führte ihr eigenes Samstags-Sprintformat erst 2021 ein, während die MXGP das Samstagsrennen längst zum Rückgrat ihres Wochenendes gemacht hatte.
Am Osterwochenende 2013 enthüllte Youthstream beim Grand Prix der Niederlande in Valkenswaard schließlich die Skybox. Am Samstag vor dem Rennen versammelten sich alle Teams und Fahrer an der neuen doppelstöckigen Konstruktion: 15 Boxen im Erdgeschoss, in denen die Mechaniker die Motorräder unter der Flagge mit Name und Nationalität des jeweiligen Fahrers parkten, und 12 VIP-Boxen im zweiten Stock. Getrennt wurden diese durch ein Podium, das direkt auf der Struktur platziert war, sodass VIP-Gäste einen exklusiven Blick sowohl auf die Siegerehrung als auch auf den Start der Rennen hatten. Teams und Fahrer besichtigten die Einrichtung und aßen gemeinsam im Obergeschoss, bevor die Rennen begannen. Es war eine völlig neue Idee im Sport: Hospitality, Rennbetrieb und die Podiumszeremonie wurden in einer einzigen mobilen Struktur vereint. 2013 erschien zudem das MXGP Mag, ein monatliches Magazin, das bis zu seiner finalen Ausgabe im März 2026 stolze 145 Ausgaben lang lief.
MXGP von Katar, 2013
In derselben Saison 2013 gewann Antonio Cairoli die MX1-Weltmeisterschaft – seinen fünften Titel in Folge in der Königsklasse und den siebten WM-Titel seiner Karriere. Es war genau die Art von Saison, für deren Präsentation die neue Infrastruktur geschaffen worden war: ein dominanter italienischer Champion, ein Paddock-Erlebnis, das in Echtzeit neu erfunden wurde, und ein exklusives Hospitality-Angebot.
2014 siegte Cairoli erneut und holte seinen achten Weltmeistertitel – genau in dem Jahr, in dem die Königsklasse selbst von MX1 in MXGP umbenannt wurde. Dies verlieh der gesamten Meisterschaft eine einheitliche, stärkere globale Identität. Im selben Jahr wurde aus MX-Life.tv schließlich MXGP-TV.com, die Live-Berichterstattung kehrte mit einem 26-minütigen Highlights-Magazin europaweit zu Eurosport zurück, die High-Definition-Produktion wurde international ausgebaut und Youthstream schloss sich mit Milestone zusammen, um das erste offizielle MXGP-Videospiel auf den Markt zu bringen.
2015–2019: Globalisierung und Vertiefung
Zwischen 2014 und 2016 versetzten Onboard-Kameras die Fans erstmals direkt in die Perspektive des Fahrers. 2015 begannen Marken-Nachwuchsprogramme wie Yamahas bLU cRU, die nationalen Wettbewerbe offiziell mit dem Fahrerlager der Weltmeisterschaft zu verbinden. Im selben Jahr gewann der erst 23-jährige Romain Febvre als Rookie den MXGP-Titel – der erste französische Champion in der Königsklasse der Sportgeschichte.
2016 brachte ein Experiment, das nur wenige andere Motorsportarten gewagt hatten: den Monster Energy SMX Riders‘ and Manufacturers‘ Cup, der Motocross und Supercross mit offiziellen Werksteams kombinierte. Im selben Jahr holte Tim Gajser den ersten von später vier MXGP-Titeln. Dieses Event diente auch als Testfeld für ein Metall-Startgitter anstelle des traditionellen Erdreichs – eine Neuerung, die 2017 fest in die MXGP-Saison übernommen wurde und heute bei jedem Lauf Standard ist. Zwischen 2017 und 2018 expandierte der Kalender global mit Läufen in Asien, Indonesien, den USA und Argentinien. Die VIP Gold Skybox öffnete sich über den Online-Verkauf schrittweise für Einzelpersonen und wurde bis 2019 zu einem direkt buchbaren Produkt. 2017 sicherte sich Antonio Cairoli seinen neunten und letzten Weltmeistertitel und beendete damit eine der erfolgreichsten Karrieren der modernen Ära.
Tony Cairoli und das KTM-Team bei seinem 9. Titel, 2017
2018 wurde Jeffrey Herlings als erster Niederländer überhaupt Champion der Königsklasse, indem er 31 von 38 Rennen in jener Saison gewann. 2019 übernahm Infront die Firma Youthstream und brachte die Meisterschaft in ein globales Netzwerk für Medienrechte, Sponsoring, digitales Marketing und Vertrieb ein. Im selben Jahr führte die MXGP einen speziell für den Motocross-Sport entwickelten Airfence entlang der Boxengasse ein – eine der ersten aufblasbaren Schutzbarrieren dieser Art. Zeitgleich holte Tim Gajser seinen zweiten Weltmeistertitel.
Die Boxengasse entwickelte sich weiter zu einem der sichtbarsten Zeichen für den Fortschritt der Infrastruktur. Was als funktionaler Servicebereich begann, wurde Etage für Etage zu einem zweistöckigen Bauwerk ausgebaut: Teambetrieb unten, erhöhte Zuschauerplätze und Veranstaltungsräume oben.
Jeffrey Herlings Weltmeister, 2018
2020–2022: Widerstandsfähig in allen Lagen
Als die Pandemie den Rennsport über Nacht zur Anpassung zwang, stützte sich die Meisterschaft auf die Infrastruktur, die sie ein Jahrzehnt lang aufgebaut hatte. Mehrere Grands Prix wurden hintereinander auf derselben Strecke unter strengen Gesundheitsprotokollen und zeitweise ohne Publikum ausgetragen. MXGP-TV, soziale Medien und Videoinhalte wurden zum primären Weg für die Fans, die Meisterschaft zu erleben. Jeffrey Herlings gewann den Titel 2021 in einer Saison, die ebenso sehr durch die digitale Belastbarkeit der Übertragungen wie durch das Renngeschehen selbst geprägt war.
In den Jahren 2021 und 2022 vertiefte sich die redaktionelle Produktion weiter: TV-Formate, Magazine, Interviews, die Studio Show sowie Storytelling hinter den Kulissen begleiteten die gesamte Saison. Bis 2022 leitete die Meisterschaft zudem eine formelle Nachhaltigkeitsstrategie ein, reduzierte Einwegmaterialien, ging Abfall-, Lärm- sowie Emissionsprobleme an und arbeitete direkt mit der Umweltpolitik der FIM zusammen.
2023–2026: Das vollständige Ökosystem
Im jüngsten Kapitel ging es darum, jeden Berührungspunkt eines Grand-Prix-Wochenendes – Timing, Unterhaltung, Daten und Zugang – zu einem Teil des Gesamterlebnisses zu machen. 2023 startete die MXGP die Paddock Show, ein Samstags-Unterhaltungsprogramm, das Fahrer und Gäste auf die Bühne bringt, um Fans hautnah an ihre Helden heranzuführen. Im selben Jahr wurde das Samstags-Qualifikationsrennen voll in den Titelkampf integriert: Seit 2023 werden am Samstag WM-Punkte vergeben (zehn Punkte für den Sieger, gestaffelt bis zu einem Punkt für den Zehnten) – zusätzlich zur ersten Startplatzwahl für die beiden Sonntagsrennen. Die Teams konnten den Samstag nicht mehr als reine Testfahrt betrachten, und Fans mit einem Samstagsticket erlebten nun direkt, wie Entscheidungen in der Weltmeisterschaft fielen.
Ebenfalls überarbeitet wurde Behind the Gate zu einem 26-minütigen Format, das für jeden Grand Prix produziert wird und Renngeschehen, Teamleben sowie exklusive Interviews abdeckt. Im selben Jahr wurde die MXE eingeführt – eine eigene Meisterschaft für sechs- bis achtjährige Fahrer auf elektrischen KTM-Motorrädern, die die sportliche Pyramide bis zum kleinsten Einstiegsalter erweitert. Währenddessen gewann Jorge Prado seinen ersten MXGP-Weltmeistertitel.
Prado verteidigte seinen Titel 2024 erfolgreich. Bis Mitte der 2020er-Jahre wuchsen die Social-Media-Kanäle der MXGP auf zusammen über sechs Millionen Follower weltweit an. Geführte Touren, Paddock-Pässe, Besuche im Startbereich und andere Erlebnis-Pakete rundeten das Angebot für die Fans ab.
2025 gewann Romain Febvre für Kawasaki seinen zweiten MXGP-Titel – genau ein Jahrzehnt nach seinem ersten, eine Zeitspanne, die zuvor noch keinem Fahrer in der Geschichte des Sports gelungen war. Im selben Jahr startete die MXGP mit MXGP: The Podcast ihr eigenes Audio-Format. Und im Jahr 2026 feierte die Meisterschaft das 30-jährige Jubiläum seit jener ersten TV-Rechte-Vereinbarung mit einer Ausstellung weltmeisterlicher Motorräder in Lommel – eine direkte Linie in Stahl und Kunststoff von Stefan Everts‘ MX1-Maschine aus dem Jahr 2004 bis zu den Bikes, die heute um den Titel fahren.
Die Details ohne festes Datum
Nicht jede Innovation erscheint mit einer Pressemitteilung. In diesen drei Jahrzehnten ergänzte die MXGP auch ein Paddock-Restaurant für Teams, Mitarbeiter und Branchengäste als Standardeinrichtung jedes Grand-Prix-Wochenendes sowie eine eigene Boxengassen-Suite für Teammitglieder. Das gesamte Fahrerlager wurde umgestaltet, um größeren Teamstrukturen Platz zu bieten und den Fans dennoch einen extrem nahen Zugang zu ermöglichen.
Auch die Streckenpräsentation wurde modernisiert: Stabile, TV-gerechte Werbewände ersetzten improvisierte Banner, und spezielle Streckenmarkierungen lösten die grünen Sicherheitsnetze ab. In der Boxengasse erhielten die Mechaniker Live-Timing und Live-Übertragungen an ihren eigenen Monitoren. All diese Änderungen tragen kein einzelnes Jubiläumsdatum – zusammen sind sie jedoch ein ebenso großer Teil der 30-jährigen Transformation der MXGP wie die großen Meilensteine.
Der Nachwuchsweg (The Pathway)
Nichts von alledem wurde zum Selbstzweck gebaut. Jedes Element – die MXGP Academy, die Frauen-Weltmeisterschaft, die seit 2011 in die MXGP-Wochenenden integrierten Europameisterschaften, Nachwuchsprogramme wie Yamahas bLU cRU, die MX2 und heute die MXE für Sechsjährige – existiert, um einen jungen Fahrer von einer lokalen Strecke bis zum Startgitter eines Grand Prix zu führen.
Das ist die sportliche Pyramide, die die Organisationen von Giuseppe und David Luongo über dreißig Jahre hinweg aufgebaut haben: Eine Struktur, in der ein mit sechs Jahren entdecktes Talent einen definierten, professionellen und international übertragenen Weg bis in die Königsklasse hat – wobei jede Stufe der Leiter unter denselben Produktionsstandards, digitalen Plattformen und kommerziellen Strukturen läuft wie die MXGP selbst.
Das gilt auch für jeden, der heute investieren, sponsern oder im Offroad-Motorsport angetreten möchte. Kaum eine Meisterschaft im Motorradsport kann auf einen dokumentierten, ununterbrochenen 30-jährigen Aufbau verweisen: zentrales Rechtemanagement, eine eigene OTT-Plattform Jahre vor dem Marktstandard, eine Krisenfeste Infrastruktur, skalierbare Hospitality-Produkte und eine Nachwuchspyramide vom Elektro-Bike bis zum mehrmaligen Weltmeister. Die MXGP hat diese Position nicht durch Zufall erreicht. Sie wurde Jahr für Jahr von zwei Männern aufgebaut, die eine Motorradrennserie wie einen Sport behandelten, den es zu professionalisieren galt – und sie wird bis heute weitergebaut.
Text/Bild: Infront moto