Vorzeitige Vertragsverlängerung um weitere zehn Jahre für die „Heimstätte des deutschen Motocross“

Der diesjährige deutsche Lauf zur Motocross-Weltmeisterschaft ist Geschichte und hat wieder Geschichte geschrieben. Im Jahr des 60-jährigen Bestehens des MSC Teutschenthal e. V. im ADAC fluteten 31.068 Fans den legendären „Talkessel“. Die Grand-Prix-Siege in den beiden WM-Klassen MXGP und MX2 sicherten sich beim LIQUI MOLY MXGP of Germany der Belgier Lucas Coenen und der Franzose Mathis Valin. Einer der vielen positiven Eindrücke und News des erneut bewegenden Rennwochenendes war die verkündete vorzeitige Vertragsverlängerung zwischen dem WM-Promoter Infront Moto Racing und dem rührigen Motorsportclub im Süden Sachsen-Anhalts um weitere zehn Jahre, beginnend ab 2028.

Auch der LIQUI MOLY MXGP of Germany 2026 im Teutschenthaler Talkessel hielt was er versprach. Am Rennwochenende 30. und 31. Mai waren wieder erstklassige Rennaction von früh bis spät, eine von den gut gefüllten Rängen ausgehende grandiose Stimmung und ein alles in allem annehmbares Motocross-Wetter geboten. Nach dem kombinierten Trainings- und Rennsamstag ging es am klassischen Rennsonntag mit der actionreichen Unterhaltung auf der Strecke Schlag auf Schlag. Das diesjährige Motocross-Fest der Extraklasse ließen sich offiziell 31.068 Fans nicht entgehen.

Lucas Coenen in der Premium-Klasse unantastbar

Der Premium- und gleich der Weltserie lautenden WM-Klasse MXGP drückte der Belgier Lucas Coenen seinen Stempel auf. Den ersten Heat gewann der als WM-Spitzenreiter angereiste Pilot vom Team Red Bull KTM Factory Racing vorm Slowenen Tim Gajser vom Monster Energy Yamaha Factory MXGP Team und dem Spanier Ruben Fernandez, der in Farben des Teams Honda HRC PETRONAS am Start war. Die Mitfavoriten Jeffrey Herlings (NED, Red Bull KTM Factory Racing) und der Sieger des Quali-Rennens vom Samstag, Romain Febvre (FRA, Kawasaki Racing Team MXGP), fielen mit technischen Defekten vorzeitig aus bzw. hoffnungslos zurück.

Im zweiten Heat war Tim Gajser früh gestürzt und musste das gesamte Feld passieren lassen. Zwar kämpfte er sich in den am Sonntag für die WM-Klassen obligatorischen 30 Minuten plus zwei Runden noch bis auf Rang 19 und damit knapp in die Punkteränge nach vorn, bei der Vergabe der Podestplätze in der GP-Wertung beider Läufe spielte er aber folglich keine Rolle. Lucas Coenen zelebrierte indes gleich noch einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg und durfte bei der anschließenden letzten Siegerehrung des Tages von der obersten Stufe des Podests in die Menge winken. Der WM-Zweite Jeffrey Herlings konnte sich mit Platz zwei im zweiten Rennen zumindest teilrehabilitieren. Dritter des Rennens wurde Andrea Adamo (ITA, Red Bull KTM Factory Racing). Zusammen mit seinem siebenten Platz in Lauf 1 durfte er als Tageszweiter erstmals ein MXGP-Podest stürmen. Den dortigen Bronzeplatz nahm Ruben Fernandez ein, nachdem er im zweiten Heat Siebenter geworden war.

Neben Dingen zu seinem dritten Saisonsieg und zu seiner Festigung der Tabellenführung sagte Lucas Coenen anschließend zum Thema der Teutschenthaler Vertragsverlängerung: „Das sind natürlich großartige Neuigkeiten, denn wie wir an diesem Wochenende wieder gesehen haben, hat der Club mit der neu aufgebrachten Erde wieder einen guten Job gemacht. Das ist ein gutes Zeichen, für viele weitere gute Rennen hier.“

Deutsche Fahrer verzückten die Fans besonders

Von den elf ursprünglich angetretenen deutschen Wild-Card-Fahrern qualifizierten sich zehn für die Wertungsläufe. Bester von ihnen war auch am Sonntag jeweils Tom Koch aus Wormstedt vom KTM Sarholz Racing Team. Im ersten Heat fuhr der Thüringer von der anfangs 18. Position bis auf Rang zwölf nach vorn, im zweiten landete er auf Platz 17, wiederum in dem WM-Punkten (bis Rang 20). Dazu sagte er: „Nach meinem guten Abschneiden gestern im Quali-Rennen war mein Plan für heute, zwei Mal in die Top-15 zu fahren. Das hat zwar nicht ganz geklappt, dennoch war es wieder ein guter Tag. Wir hatten heute durch den zwischenzeitlichen Regen erschwerte Bedingungen mit einer tiefen Strecke, aber das hatten die Teutschenthaler auch dank des neuen Bodens gut im Griff.“ Zu seiner Leistung fügte er an: „Ich bin solide gefahren. Im ersten Lauf Platz zwölf war natürlich top. Im zweiten habe ich mir an manchen Kontrahenten ein bisschen die Zähne ausgebissen Da hatte ich zwischendurch ein kleines Tief, habe mich aber hinten raus wieder gefangen. Zwei Mal vor deutscher Kulisse in die Punkte zu fahren, war natürlich top. Überhaupt waren die Fans wieder der Wahnsinn. Es ist auch für uns Fahrer geil, wenn sie so viel Spaß haben wie wir. Das ist immer wieder ein geiler Moment, den man richtig genießt.“ Seine Gedanken zur Vertragsverlängerung schilderte „ToKo“ zudem mit folgenden Worten: „Es gibt nicht viele Strecken in Deutschland, wo auch die Infrastruktur stimmt. Der Verein ist sehr engagiert und macht immer gute Arbeit. Sie haben auch viel Erfahrung, schließlich hatten sie auch schon das ‚Motocross of Nations‘ ausgerichtet. Ich glaube, sie wissen was sie machen müssen, um eine gute Veranstaltung abzuliefern. Ich weiß nicht, ob ich das nur als Deutscher so wahrnehme, aber es gibt nur wenige Grand Prix, bei denen die Stimmung so gut ist wie in Teutschenthal.“

Neben ihm fuhren auch sein Teamkollege Noah Ludwig aus Aschersleben und Maximilian Spies aus Ortrand vom Team Becker Racing in beiden Wertungsläufen in die Punkte. Noah Ludwig wurde einmal 14. und einmal 18., Maximilian Spies schaffte einen 16. und einen 20. Rang. Zusammen mit den weiteren Klassierten Cato Nickel (Schwerin), Peter König (Eberswalde), Nico Koch (Braunschweig), Mark Scheu (Grabenstetten) und Marco Fleissig (Illertissen) ließen sie sich nach getaner Arbeit vor dem „Hang der Nationen“, dem Epi-Zentrum der Teutschenthaler Fan-Kultur, so richtig abfeiern.

Zwei auf Augenhöhe

In den zwei Heats der „kleinen“ WM-Klasse MX2 der bis 23-Jährigen gab es zwei Fahrer, die die Laufsiege und zweiten Plätze über Kreuz unter sich aufteilten. Sasha Coenen, der Zwillingsbruder des MXGP-Siegers Lucas Coenen, gewann das erste Rennen vorm Franzosen Mathis Valin. Im zweiten lautete der Zieleinlauf genau umgekehrt. Bei Punktegleichstand besagt die Motocross-Arithmetik, dass der finale Lauf der entscheidende ist, sodass Mathis Valin der MX2-Grand-Prix-Sieger von Teutschenthal 2026 ist und Sasha Coenen als Zweiter geehrt wurde. Gesamtrang drei ging an den Südafrikaner Camden Mc Lellan, der in den Läufen die Plätze drei und sechs belegt hatte. Der Franke Simon Längenfelder kam im ersten Lauf nicht über Rang acht hinaus und betrieb im zweiten mit Platz drei Schadensbegrenzung in Sachen WM-Tabelle. Die Führung musste er schon nach dem ersten Lauf an Sasha Coenen abgeben.

Klare Siegerin auch bei den Damen

Den Damen der Frauen-Motocross-Weltmeisterschaft „WMX“ war es vorbehalten, den Rennsonntag am Vormittag bei noch schönstem Rennwetter zu eröffnen. Nur wenige hundert Meter nach dem Start fiel eine erste Vorentscheidung, als die Vorjahresweltmeisterin Lotte van Drunen aus den Niederlanden im engen Getümmel stürzte und einige Zeit benommen liegen blieb. Zwar nahm sie das Rennen wieder auf, hatte aber natürlich keine Chance mehr auf einen der vorderen Plätze. Die Siegerin des ersten Heats am Samstag, Daniela Guillen, hatte sich wieder umgehend an die Spitze und mit schnellen Runden auch gleich etwas abgesetzt. Im Ziel hatte sie etwas mehr als acht Sekunden Vorsprung auf die Italienerin Kiara Fontanesi, die schon am Vortag Zweite geworden war. Dementsprechend wurden Daniela Guillen und Kiara Fontanesi als Siegerin bzw. Zweitplatzierte zur Gesamtsiegerehrung gerufen. Dort hin wurde auch die weitere Niederländerin Shana van der Vlist beordert. Nach ihrem neunten Platz am Samstag hatte sie sich noch mit Rang drei am Sonntag als Dritte aufs GP-Podest katapultiert. Beste Deutsche wurde wieder Larissa Papenmeier, die ihren siebenten Platz vom Samstag wiederholte.

Rechenspiele für die Zusammensetzung des Podests

Die Fahrer der Europameisterschaftsklasse EMX250 trugen ihren zweiten Lauf kurz vor Mittag aus, unmittelbar nachdem der erste heftige Regenschauer niedergegangen war und die Strecke in eine Schlammpiste verwandelt hatte. Am besten kam mit diesen schwierigen Bedingungen der Meisterschaftsführende Francisco Garcia aus Spanien zurecht. Allerdings war er am Samstag nach einem frühen Sturz ausgeschieden, sodass er in der Gesamtwertung beider Tage keine Rolle spielte. Diese entschied der heute Zweitplatzierte, der Australier Jake Cannon, für sich. Neben ihm nahmen bei der Siegerehrung der Niederländer Gyan Doensen und Nicolo Alvisi aus Italien Aufstellung. Ihnen reichten am Sonntag die Heat-Plätze fünf bzw. vier hinter dem Liechtensteiner Lyonel Reichl.

Good News

In diesem Jahr feiert der MSC Teutschentahl das 60-jährige Jubiläum der Clubgründung. Als leicht vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gab es heute die frohe Kunde der vorzeitigen Vertragsverlängerung um weitere zehn Jahre als Austragungsort der deutschen WM-Runde. Bei der eigens einberufenen feierlich angehauchten Pressekonferenz sagte der Vorsitzende des MSC Teutschenthal, Jens-Uwe Jahnke: „Wir sind sehr, sehr glücklich über den neuen Vertrag zwischen Infront Moto Racing und dem MSC Teutschenthal. Es ist eine große Freude für uns, die nächsten Jahre weiter kooperieren zu können. Vielen Dank dafür.“

Dazu ergänzte der MSC-Geschäftsführer, Andreas Kosbahn: „Generationen von Fans haben diese Strecke zu einem der WM-Läufe mit der besten Atmosphäre im MXGP-Kalender gemacht. Aber wir wollen nicht nur zurück schauen, sondern auf die Zukunft unseres Sports in Deutschland blicken. Infront Moto Racing und unser Verein teilen eine große Leidenschaft für den Motocross-Sport und haben viel gegenseitiges Vertrauen. Das ist genau das, was es für eine gute Partnerschaft für viele weitere Jahre braucht. Wir haben mit dieser Planungssicherheit große Vorhaben für die ständige Verbesserung der Anlage für die Fans, Fahrer, Pressevertreter und alle weiteren in die Veranstaltung involvierte Personen und Bereiche. Wir wollen weiterhin die stolze Heimat des deutschen Motocross bleiben. Die Vertragsverlängerung ist für uns die verdiente Belohnung für unsere unermüdliche harte Arbeit und ein Vertrauensbeweis von Infront Moto Racing und der FIM in die Organisation eines Events dieser Größenordnung. Vielen Dank.“

Weitere Infos gibt es unter: www.mxgp-germany.dewww.msc-teutschenthal.deund/oder www.mxgp.com.

Text/Bild: Thorsten Horn