Nach mehr als zwei Monaten Sommerpause kehrte die AUNER HardEnduroSeries Germany am vergangenen Sonntag in den Rennbetrieb zurück. Beim MelzExdraehm in Meltewitz stand der vorletzte Saisonlauf 2026 auf dem Programm – und damit gleichzeitig der Auftakt in die entscheidenden Wochen im Kampf um die Meistertitel.
Meltewitz nimmt traditionell eine Sonderstellung im HESG-Kalender ein. Statt des üblichen Ablaufs mit Prolog, zwei Gruppenrennen und Finale wartete auf die Fahrer nach dem ACE Bikes Prolog Award ein langes gemeinsames Hauptrennen. Eine vorgegebene Rundenzahl, ein zusätzlicher Checkpoint und eine maximale Fahrzeit von drei Stunden verlangten dabei eine völlig andere Renntaktik. Neben Geschwindigkeit waren vor allem Kondition, Konzentration und eine gute Einteilung der Kräfte gefragt.
Bereits der Prolog präsentierte sich in diesem Jahr in einem neuen Gewand. Die Strecke wurde deutlich flüssiger gestaltet und orientierte sich stärker an einem SuperEnduro-Kurs. Damit standen weniger einzelne Stop-and-Go-Passagen, sondern vielmehr Rhythmus, Geschwindigkeit und eine saubere Linienwahl im Vordergrund.
Auch personell gab es unmittelbar vor dem Rennen noch einige Veränderungen. Matthis Millich, der als Dritter des Championats nach Meltewitz gekommen wäre, musste kurzfristig absagen. Der Youngster hatte sich beim Training an der Hand verletzt und konnte deshalb beim vorletzten Saisonlauf nicht antreten.
Dafür gab es an anderer Stelle ein prominentes Comeback: Milan Schmüser, HESG-Champion des Vorjahres, kehrte erstmals seit seiner Verletzung wieder ins Starterfeld zurück. Für Schmüser stand dabei zunächst weniger das Ergebnis als vielmehr das Sammeln erster Rennpraxis nach der langen Verletzungspause im Mittelpunkt.
Ebenfalls zurück war Emil Kessler. Der Fahrer aus dem PEM Energy HESG Talentpool hatte mit zwei Siegen in der X-GRIP Juniorenklasse einen starken Saisonstart hingelegt, musste anschließend verletzungsbedingt jedoch Kronach und das komplette Doppelwochenende in Reisersberg auslassen. Mit Paul-Erik Huster ergänzte zudem ein weiterer bekannter Name das Feld. Der amtierende Meister des Enduro Wintercup trat als Gastfahrer an und hatte in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass er auch innerhalb der HESG um die vorderen Positionen kämpfen kann.
Sportlich richteten sich die Blicke vor dem Start vor allem auf Henry Strauss. Mit 140 Punkten und einem komfortablen Vorsprung auf Leon Hentschel reiste der Meisterschaftsführende nach Meltewitz. Für Strauss bot sich damit erstmals die Möglichkeit, den HESG-Championtitel 2026 bereits vorzeitig perfekt zu machen.
Fakten, MelzExdraehm Meltewitz 13.09.2026
Wetter: 16 Grad, stark bewölkt
ACE Bikes Prolog Award Sieger: Henry Strauss (KTM)
Sieger: Leon Hentschel (Beta)
Champion Öl Fastest Lap: Henry Strauss (KTM), 16:22.053
Endurofreundliche Bedingungen und erste Bestzeit für Strauss
Auch das Wetter spielte den Fahrern in Meltewitz in die Karten. In der Nacht hatte es geregnet und damit für nahezu ideale Bedingungen gesorgt. Vor allem der neugestaltete Prolog profitierte von der Feuchtigkeit und blieb komplett staubfrei. Im weiteren Tagesverlauf blieb es trocken, bei angenehmen Temperaturen um 16 Grad herrschten damit beste Bedingungen für einen langen Hardenduro-Renntag.
Um 10:00 Uhr eröffnete ausgerechnet Meisterschaftsleader Henry Strauss den neuen Prolog. Damit war er gleichzeitig der erste Fahrer, der unter Rennbedingungen eine Zeit auf dem flüssigeren, stärker an SuperEnduro angelehnten Kurs vorlegte. Strauss fand sofort einen guten Rhythmus und setzte mit 1:44 Minuten eine starke erste Bestmarke.
Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Diese Zeit sollte bis zum Ende Bestand haben. Keiner der nachfolgenden Fahrer konnte Strauss noch von der Spitze verdrängen. Damit sicherte er sich den ACE Bikes Prolog Award, die volle Punktzahl und gleichzeitig einen weiteren wichtigen Zähler im Kampf um die Meisterschaft.
Sein Vorsprung im Championat wuchs dadurch vor dem Hauptrennen auf 35 Punkte an. Die Ausgangslage war damit eindeutig: Strauss ging mit einer noch komfortableren Führung in das MelzExdraehm und hatte den vorzeitigen Titelgewinn selbst in der Hand.
Hinter ihm bestätigte Leon Hentschel einmal mehr seine Rolle als stärkster Verfolger und belegte Rang zwei. Für eine der erfreulichsten Geschichten des Vormittags sorgte allerdings Milan Schmüser. Bei seinem ersten Renneinsatz nach der langen Verletzungspause fand der Vorjahresmeister sofort wieder den Anschluss an die Spitze und fuhr hinter Strauss und Hentschel auf einen starken dritten Platz.
Hentschel entscheidet Dreikampf – Strauss krönt sich vorzeitig zum Champion
Pünktlich um 12:00 Uhr fiel bei weiterhin trockenen und angenehmen Bedingungen der Startschuss zum Hauptrennen. Insgesamt 135 Fahrer stellten sich der besonderen Meltewitzer Herausforderung und wurden in Viererreihen auf die lange Renndistanz geschickt.
An der Spitze entwickelte sich schnell der erwartete Kampf der Favoriten. Zunächst gelang es Henry Strauss, sich etwas vom restlichen Feld abzusetzen. Doch bereits in der zweiten Runde war sein Vorsprung wieder aufgebraucht. Leon Hentschel und Milan Schmüser schlossen zum Meisterschaftsführenden auf und fortan entwickelte sich ein spannender Dreikampf, bei dem sich die drei Spitzenfahrer mehrfach abwechselten.
Zur entscheidenden Schlüsselstelle wurde das Steinfeld. Gerade auf der langen Distanz verlangte dieser Abschnitt den Fahrern Runde für Runde einiges ab und bot gleichzeitig Möglichkeiten, Zeit gutzumachen. In der letzten Runde nutzte Hentschel genau dort seine Chance, setzte den entscheidenden Angriff und brachte die Führung anschließend bis ins Ziel.
Damit feierte Leon Hentschel seinen zweiten Saisonsieg 2026.
Für Henry Strauss wurde Platz zwei dennoch zum größten Erfolg des Tages. Durch seine Punkte aus Prolog und Hauptrennen ist sein Vorsprung in der Gesamtwertung beim Saisonfinale in Schwepnitz in knapp zwei Wochen nicht mehr einzuholen. Der erst 17-Jährige steht damit vorzeitig als Champion der AUNER HardEnduroSeries Germany 2026 fest.
Für Strauss ist es bereits der zweite Championatstitel nach 2024 – und das im Alter von gerade einmal 17 Jahren.
Hinter den beiden Titelrivalen komplettierte Milan Schmüser das Podium. Der Champion des Vorjahres musste damit zwar seinen Titel offiziell an Strauss weiterreichen, konnte mit seinem eigenen Comeback jedoch zufrieden sein. Nach der langen Verletzungspause direkt wieder in einen engen Kampf um den Tagessieg einzugreifen und das Rennen auf Platz drei zu beenden, bedeutete für Schmüser einen gelungenen Wiedereinstieg in den Rennbetrieb.
Kessler meldet sich mit Sieg zurück – Senioren-Titel bleibt offen
Auch das zweite große Comeback des Wochenendes glückte. Emil Kessler knüpfte in der X-GRIP Juniorenklasse genau dort an, wo er vor seiner Verletzung aufgehört hatte. Nach den verpassten Rennen in Kronach und Reisersberg kehrte der Fahrer aus dem PEM Energy HESG Talentpool eindrucksvoll zurück und sicherte sich direkt den Klassensieg.
Dabei bekam Kessler starke Konkurrenz. Max Eppelmann bestätigte seine immer stärker werdenden Leistungen und fuhr auf einen hervorragenden zweiten Platz. Dahinter komplettierte Luca Kropitsch als Tabellenführer das Juniorenpodium auf Rang drei. Damit bleibt die Entscheidung um den X-GRIP Juniorentitel bis zum Saisonfinale in Schwepnitz offen.
Weniger erfreulich verlief der Renntag bei den Senioren. Kai Uebe konnte aufgrund der von ihm absolvierten Runden zwar den Klassensieg für sich verbuchen, verletzte sich während des Rennens jedoch. Nach aktuellem Stand ist damit zu rechnen, dass Uebe auch beim Saisonfinale in Schwepnitz nicht antreten kann.
Dadurch bekommt der Titelkampf bei den Senioren noch einmal eine unerwartete Konstellation. Manuel Woesner erhält nun doch noch die Möglichkeit, beim letzten Saisonlauf um den Meistertitel zu kämpfen. Die Entscheidung fällt damit erst in Schwepnitz.
Bei den Amateuren setzte sich erneut Jakob Blazovich durch und sammelte weitere wichtige Punkte für die Meisterschaft. In der Damenklasse setzte Julia Bittner ihre erfolgreiche Saison fort und holte einen weiteren Klassensieg.
In der Elektroklasse HESG-E ging der Tagessieg an Arvid Meyer, der sich damit beim besonderen Langstreckenformat von Meltewitz durchsetzen konnte.
Finale in Schwepnitz – Nennung weiterhin möglich
Nach den Entscheidungen von Meltewitz bleibt der AUNER HardEnduroSeries Germany nur eine kurze Pause. Bereits am 26. September steigt beim Isegrim Enduro in Schwepnitz das große Saisonfinale 2026.
Während Henry Strauss seinen zweiten Championatstitel bereits sicher hat, sind in mehreren Klassen noch Entscheidungen offen. Zusätzliche Bedeutung erhält Schwepnitz in diesem Jahr durch die erstmalige Aufnahme in das Hard Enduro World Ranking. Das Isegrim Enduro wird dort als Challenger Event gewertet, sodass die Teilnehmer neben den letzten HESG-Punkten der Saison auch Punkte für das internationale Ranking sammeln können.
Die Online-Nennung für Schwepnitz ist weiterhin geöffnet. Wer beim letzten HESG-Rennen des Jahres und gleichzeitig beim ersten World-Ranking-Lauf in Schwepnitz dabei sein möchte, kann sich bereits anmelden.
Aktuelle Informationen zur AUNER HardEnduroSeries Germany sind jederzeit auf
www.hardenduro-germany.de sowie in den sozialen Medien verfügbar.
Text/Bild: HESG/Michel Kuchel