Im Vorfeld des 18. Laufs zur FIM Motocross-Weltmeisterschaft 2026 in Schanghai hat das Fahrerlager die Antwort auf eine Frage erhalten, die das Fahrerfeld seit zwei Saisons beschäftigt. China greift 2027 mit zwei Werksprojekten an.

KOVE und ZXMOTO haben beide ihre Absicht bestätigt, ab der Saison 2027 in der FIM Motocross-Weltmeisterschaft anzutreten. Zwei chinesische Hersteller, zwei MXGP-Programme in der Königsklasse, zwei Motorrad-Einsätze in beiden Fällen, die im selben Jahr an den Start gehen. Für eine Weltmeisterschaft, die das vergangene Jahrzehnt damit verbracht hat, den Sport in neue Regionen zu tragen, ist dies der denkbar klarste Ertrag dieser Strategie.

Und schon vorher, beim „Oriental Beauty Valley MXGP of China“ am 12. und 13. September, erhält das Fahrerlager einen ersten Vorgeschmack. JHL Factory Racing wird beim Lauf in Schanghai einen einmaligen Wildcard-Auftritt absolvieren – das erste Mal in der Geschichte, dass ein chinesischer Hersteller an einem MXGP-Startgitter steht.

KOVE: Ein langfristiges Werksprogramm

Kove Factory Racing Team

Das KOVE Factory Racing Team hat am 31. August bestätigt, dass es ab 2027 mit zwei Maschinen in der MXGP-Klasse antreten wird. Tom Steensels, zuvor an der Spitze der Teamstruktur von TBS Conversions KTM, wurde zum Teammanager ernannt und überwacht die Entwicklung, die Tests sowie den Aufbau des Teams. Fahrer und Maschinenspezifikationen werden zu gegener Zeit bekannt gegeben.

„Dies ist der Beginn eines langfristigen Werksrennprogramms mit einem klaren Ziel: uns auf dem höchsten Niveau des Motocross zu messen und KOVE dort zu etablieren“, erklärte der Hersteller in seiner Ankündigung.

KOVE ist im internationalen Rennsport kein Unbekannter. Die 2017 gegründete Marke mit Sitz in Chongqing konzentriert sich ausschließlich auf Freizeit- und Sportmaschinen mit mittlerem bis hohem Hubraum. Sie erarbeitete sich ihren Ruf im Rennsport bei der Rallye Dakar mit der 450 Rally und zählt heute, unterstützt durch F&E-Zentren in Chongqing und Chengdu, zu den führenden einheimischen chinesischen Marken im Segment ab 300 cm³.

ZXMOTO: Fahrbereit aufgebaut

ZXMOTO

Das Programm von ZXMOTO folgt demselben Zeitplan und befindet sich in einem vergleichbaren Stadium. Der Hersteller beabsichtigt, ab 2027 die komplette MXGP-Serie zu bestreiten – idealerweise mit zwei Fahrern auf einer 450-cm³-Maschine, die zwischen China und Europa entwickelt wird. Rennleiter Jesús Rincón bestätigte, dass das Motorrad bereits läuft und die Teamstruktur derzeit finalisiert wird.

ZXMOTO hatte ursprünglich einen Premiereneinsatz in China für diese Saison in Betracht gezogen, entschied sich dann jedoch dafür, alle Ressourcen in die Vorbereitung auf 2027 zu stecken. Das ist eine vielsagende Entscheidung. Die Marke hat in dieser Saison bereits Siege in der FIM Supersport-Weltmeisterschaft auf ihrem Konto – es handelt sich also um einen Hersteller, der weiß, was ein Weltmeisterschaftsprogramm erfordert, und sich entschieden hat, 2027 bestens aufgestellt an den Start zu gehen.

JHL: Eine historische Premiere in Schanghai

JHL Factory Racing wird die Saison 2027 zwar nicht bestreiten, aber der Auftritt beim „Oriental Beauty Valley MXGP of China“ als einzelner Wildcard-Start beim Heim-Grand-Prix ist nicht minder bedeutend.

Der deutsche Fahrer Brian Hsu geht in der MXGP-Klasse auf der JHL LX350R an den Start. Hsu ist die perfekte Besetzung für diese Rolle: 28 Jahre alt, in Deutschland geboren, in Taiwan aufgewachsen, wohnhaft im italienischen Cremona und fließend Mandarin sprechend. Niemand im Team spricht über Platzierungen, da Schanghai ein Test unter realen Bedingungen ist – ausgetragen vor heimischem Publikum, auf einer eigens gebauten WM-Strecke und gegen das beste Werksmaterial des Sports.

Chinesische Hersteller benötigen jetzt genau das, was europäische und japanische Hersteller vor ihnen brauchten: internationale Glaubwürdigkeit, einen technischen Maßstab und eine globale Bühne, um ein Performance-Image aufzubauen. Rennsport ist der Weg, sich dies zu erarbeiten – und die MXGP ist der Ort, an dem Offroad-Marken genau das tun. Es ist dieselbe Motivation, die in den vergangenen Saisons auch Triumph und Ducati in die Weltmeisterschaft geführt hat.

Infront Moto Racing hat jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet. Die FIM Motocross-Weltmeisterschaft nach Asien zu bringen, war ein bewusstes, langfristiges Engagement. Die eigens dafür errichtete Rennstrecke im Schanghaier Bezirk Fengxian, die zusammen mit der Oriental Beauty Valley Group und H&H Sports entwickelt wurde, ist der sichtbare Beweis dafür.

David Luongo, Präsident & CEO von Infront Moto Racing: „Der Schritt nach Asien war schon immer Teil unserer Strategie. Wir sind nach China gekommen, um diesem Markt voraus zu sein, anstatt ihm hinterherzulaufen. Heute sehen wir das Ergebnis: Zwei chinesische Hersteller bereiten vollständige Werksprogramme für 2027 vor, und ein dritter gibt sein Debüt bei unserem Grand Prix in Schanghai. Das ist exakt das, was eine Weltmeisterschaft leisten sollte.“

Text/Bild: Infront moto/Kove