Der amtierende TrialGP-Weltmeister Toni Bou (Montesa) baute seine Saisonbilanz auf 16 Rennsiege in Folge und seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 90 Punkte aus, als er den zweiten Tag des TrialGP von Großbritannien – der vierten Runde der Hertz FIM Trial-Weltmeisterschaft 2026 – dominierte. Unterdessen machte Andrea Sofia Rabino (Beta) mit zwei Rennsiegen, darunter eine sensationelle fehlerfreie Runde, ihren Wochenend-Erfolg in der Klasse TrialGP Women perfekt.

  • Spanischer Superstar Toni Bou wahrt seine ungeschlagene Serie mit Doppelsieg an Tag zwei
  • Andrea Sofia Rabino zeigt eine perfekte Leistung im zweiten Rennen der TrialGP Women
  • Francesco Titli, Daniela Hernando und Harison Skelton komplettieren die Ehrentafel am Sonntag

In der Trial2 wurden die Rennsiege zwischen Lokalmatador Harry Turner (Sherco) und Francesco Titli (Montesa) aufgeteilt, wobei der Italiener die Tageswertung für sich entschied. Bei den Trial2 Women tauschten die Spanierin Daniela Hernando (Beta) und die britische Fahrerin Matilda Arbon (Sherco) die Siege aus. Weiteren Erfolg für das Gastland gab es in der Trial3 Junior, wo Harison Skelton (Scorpa) und Max Dance (Scorpa) jeweils einen Lauf gewannen.

Ein wesentlich hellerer Morgen begrüßte die Teilnehmer auf dem beeindruckenden Trac Mon Circuit Anglesey in Wales, wo der Küstenkurs von zahlreichen Fans gesäumt war, die in Scharen herbeiströmten, um die besten Trial-Fahrer des Planeten in Aktion zu sehen – und seit 19 Jahren gibt es keinen besseren Fahrer als den spanischen Superstar Bou.

Eingerahmt von künstlichen Hindernissen aus riesigen Haufen glatter Felsbrocken, lag der Großteil der Sektionen auf den zackigen, griffigen Felsen der Küstenlinie. Diese sahen zwar furchteinflößend aus, wurden von Bou jedoch mühelos gemeistert, der sich vollkommen in seinem Element zeigte und seinen Doppelsieg vom Samstag wiederholte.

Der erste ernsthafte Test wartete in Sektion vier, die gestern im ersten Rennen das gesamte TrialGP-Feld stoppen konnte, und diesmal hatte sich nicht viel geändert: Alle außer Matteo Grattarola (Beta) kassierten eine Höchststrafe. Der erfahrene Italiener beugte die Gesetze der Physik, um mit einem unglaublichen einzelnen Strafpunkt davonzukommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er in Sektion zwei jedoch bereits eine Fünf kassiert, sodass seine Heldentat ihn nicht an die Spitze brachte, sondern nur zurück ins Geschäft.

Von da an blieb Bou mit den Füßen auf den Rasten, bis er in Sektion zehn eine Zwei benötigte, was ihn fast in Schlagdistanz zu seinem Teamkollegen und Landsmann Gabriel Marcelli brachte. Doch nicht einmal die Höchststrafe in der letzten Sektion – wo im ersten Rennen nur Marcelli das Zielbanner sah – konnte den 39-Jährigen daran hindern, mit 13 Strafpunkte den Sieg einzufahren.

Marcelli, der gestern mit einem gebrochenen Finger zu kämpfen hatte, holte mit 15 Strafpunkte einen tapferen zweiten Platz und lag damit vier Punkte vor Jaime Busto (Beta). Grattarola folgte mit weiteren fünf Punkten Rückstand auf Rang vier, während der Brite Harry Hemingway (Beta) mit 30 Strafpunkte auf Platz fünf fuhr, nachdem er sich im Tiebreak gegen Miquel Gelabert (Honda) und Jack Peace (Sherco) durchgesetzt hatte.

Nachdem er die Super Pole zur Bestimmung der Startreihenfolge für das Finale gewonnen hatte, lieferte sich Bou einen Schlagabtausch mit Busto und Marcelli. Das spanische Trio setzte sich vom Verfolgerfeld ab, und Busto sicherte sich mit einer Eins in Sektion vier – wo der Rest des Feldes erneut die Höchststrafe kassierte – den anfänglichen Vorteil.

Mit jeweils fünf Strafpunkte für Busto und Bou sowie sieben für Marcelli ging es in die Super-Final-Phase. Bou fügte seinem Konto in Sektion zwölf nur einen weiteren Strafpunkt hinzu und siegte mit zwei Punkten Vorsprung vor Busto. Marcelli wurde mit zehn Strafpunkte Dritter, gefolgt von einer Elf-Punkte-Lücke zu Hemingway auf Rang vier, der wiederum nur einen Punkt vor Gelabert auf dem einzigen Elektro-Motorrad der Klasse lag.

„Ich bin superglücklich, die Meisterschaft mit vielen Punkten begonnen zu haben“, sagte Bou. „Dieses Wochenende war perfekt für mich und ich hatte das beste Gefühl.“

Nach ihrem dynamischen Doppelsieg gestern ging Rabino entschlossen in den Tag. An einem Tag mit niedrigen Wertungen hielt ihr Ergebnis im ersten Rennen von zwei Strafpunkte sie vier Punkte vor der amtierenden Meisterin Berta Abellan (Scorpa) aus Spanien.

Die Italienerin Alessia Bacchetta verbesserte sich gegenüber ihrem gestrigen Ergebnis im ersten Rennen auf den dritten Platz mit acht Strafpunkte, gefolgt von der Britin Kaytlyn Adshead mit zwölf. Nach einem Abstand von sieben Punkten folgte die französische Fahrerin Alycia Soyer, während die Lokalmatadorin Alice Minta (Beta) nach ihren gestrigen Glanzleistungen hinter ihre Landsfrau Alicia Robinson (Beta) auf Rang sieben zurückfiel.

Unabhängig von der Klasse ist eine fehlerfreie Leistung auf diesem Niveau ein äußerst seltenes Ereignis. Rabino krönte ihr fantastisches Wochenende in Wales, indem sie im zweiten Rennen komplett fehlerfrei blieb. Damit verschärft sie den Titelkampf gegen Abellan, deren Ergebnis von sieben Strafpunkte ihr nach einem Tiebreak mit der formstarken Bacchetta den zweiten Platz einbrachte.

„Es war ein perfektes Wochenende für mich“, sagte Rabino. „Ich habe gestern gewonnen und heute wieder, es ist ein fantastisches Gefühl. Ich werde bei der letzten Runde in Spanien weiter Gas geben.“

Minta meldete sich mit Rang vier und acht Strafpunkte zurück – sieben Punkte vor der Fünftplatzierten Soyer. Doch das Wochenende gehörte Rabino, die den Vorsprung von Abellan bei nur noch einer verbleibenden Runde in der TrialGP-Women-Serie um zwölf auf nunmehr elf Punkte verkürzt hat.

Als Sieger des ersten Trial2-Rennens vom Samstag brauchte Turner nur einen kurzen Fußkontakt („Dab“) in Sektion zehn für eine Wiederholung der Leistung. Titli kämpfte sich nach Platz sieben in der gestrigen Gesamtwertung auf den zweiten Platz mit vier Strafpunkte zurück – einen Punkt vor dem punktgleichen Duo auf Rang drei, in dem sich der Spanier Arnau Farré gegen den britischen Fahrer George Hemingway (Beta) durchsetzte.

Der Trial3-Junior-Champion des Vorjahres, der Amerikaner Ryon Land (Sherco), setzte seinen Aufstieg mit Platz fünf und sieben Strafpunkte fort, nachdem er einen Tiebreak gegen den Franzosen Pablo Echene (Sherco) gewonnen hatte.

Turners Hoffnungen auf den dritten Gesamtsieg in Folge wurden in einem punktarmen zweiten Rennen zunichte gemacht: Sein Total von sechs Strafpunkte ließ ihn auf Platz neun im Lauf und Rang drei in der Tageswertung zurückfallen. Titli gewann das Rennen – und den Tag – mit nur einem einzigen Strafpunkt. Damit lag er zwei Punkte vor dem Briten Jack Dance, der wiederum einen Punkt vor einem dreifachen Patt um Platz drei lag, das der Franzose Benoit Bincaz (Electric Motion) vor Farré und Echene für sich entschied.

„Das Gefühl ist sehr gut und ich bin glücklich“, sagte Titli. „Heute bin ich mit Platz zwei gut gestartet und habe dann das zweite Rennen gewonnen. Es fühlt sich gut an, wieder auf dem Podium zu stehen.“

Der seit der ersten Runde extrem konstante Tabellenführer Alex Canales (Montesa) erlebte mit zwei siebten Plätzen seinen schlechtesten Tag der Saison. Dies ließ ihn in der Tageswertung auf Platz acht zurückfallen und ermöglichte es Turner, in der Meisterschaft bis auf zwei Punkte heranzurücken, während Farré weitere zwei Punkte zurückliegt.

Nachdem sie beim Auftakt in Italien und gestern erneut an der Spitze gekratzt hatte, stieg die Spanierin Daniela Hernando (Beta) endlich auf das oberste Treppchen des Trial2-Women-Podiums. Sie untermauerte ihren Sieg im ersten Rennen mit einem zweiten Platz im zweiten Lauf und sicherte sich damit knapp den Gesamtsieg vor ihrer Landsfrau Abril Montserrat Junque (Beta), die zweimal Zweite wurde.

„Heute war es sehr gut für mich“, sagte Hernando. „Ich hatte das Gefühl, dass ich gut gefahren bin und eins mit dem Motorrad war. Es ist toll, diesen Sieg zu holen.“

Nach Platz vier im ersten Rennen kämpfte sich Arbon mit dem Sieg im zweiten Lauf auf den dritten Gesamtrang zurück. Sie verlässt Anglesey mit einem Fünf-Punkte-Vorsprung in der Meisterschaft vor Montserrat Junque.

In der Trial3 Junior setzte sich Skelton durch: Sein Sieg und sein zweiter Platz reichten problemlos aus, um zum zweiten Mal an diesem Wochenende ganz oben auf dem Podium zu stehen und die Tabellenführung mit zwei Punkten Vorsprung vor seinem italienischen Rivalen Fabio Mazzola zurückzuerobern, der den Tag mit den Rängen drei und sieben auf Platz vier beendete.

Nach einem kämpferischen vierten Platz im ersten Rennen gewann Dance das zweite Rennen und sicherte sich mit dem zweiten Gesamtrang sein bisher bestes Saisonsergebnis. Der Norweger Patrick Bjørnland Larsen (Sherco) komplettierte das Podium als Dritter mit den Platzierungen zwei und sechs.

„Dieses Wochenende war unreal“, sagte Skelton. „Es gibt nichts Schöneres, als zwei Gesamtsiege bei der Heimrunde zu holen. Ich bin etwas enttäuscht, den Sieg im zweiten Rennen verpasst zu haben, aber ich freue mich riesig für Max Dance, der genial gefahren ist.“

Der Fokus richtet sich nun auf Cahors zum TrialGP von Frankreich am 29. und 30. August, wo die Klassen TrialGP, Trial2 und Trial3 Junior an einem einzigen Renntag um Punkte kämpfen werden.

Text/Bild: Trial GP/Future7Media